Dienstag, 25. April 2017


Deutschland, Hildesheim (Niedersachsen):
Heiligkreuzkirche, zwischen 1054–1079 erbaut


(Bitte die teilweise schlechte Qualität der Bilder zu entschuldigen,
da sich der Verschluss des Objektiv nicht mehr vollständig öffnen ließ.) 
 
 


Die Heilig-Kreuz-Kirche liegt nur wenige 100 m östlich des Doms.




Vom einstigen Petrustor der Domburg führt die Kreuzstraße,
ein Teil der alten West-Ost-Fernhandelsstraße
direkt auf das Portal der Kirche zu.




Daneben befindet sich dieses Gebäude,
da zumindest auf gotische Wurzeln zurückgeht.



Die heutige prächtige barocke Westfassade
kann nicht darüber hinwegtäuschen,
dass die Keimzelle dieser Kirche eine Toranlage
wohl schon aus Bischof Altfrids Zeit (ca. 800 - 874) ist,
die den noch unbefestigten Dombereich nach Osten hin schützte.

Nachdem die Bernwardsmauer dieses Vorwerk entbehrlich gemacht hatte,
ließ Bischof Hezilo (1054 - 1079) es in eine Kirche umwandeln
und errichtete hier ein Chorherrenstift.



Vielleicht ist ja diese Mauer im Norden der Kirche
noch ein Teil des ehemaligen Kreuzgangs.




Während sich das Langhaus heute weitestgehend barock gibt, ...

 

... sind an der Ostseite noch 
deutliche romanische Elemente zu erkennen.



Darunter diese nördliche Seitenapsis,
die heute komplett fensterlos ist ...



... wie auch die große Mittelapsis.



Lediglich die südliche Seitenapsis durfte ihr Fenster behalten,
wenngleich dieses später vergrößert wurde.



Der achteckige Vierungsturm dürfte jüngeren Ursprungs sein.



Erstaunlich stilrein und wohltuend schlicht
erscheint der wohl unlängst renovierte Innenraum.



An den „weltlichen“ Ursprung des Gebäudes erinnern wohl auch die Pfeiler,
die anstelle von Säulen die Bogenöffnungen zu den Seitenschiffen tragen.

 
 
Von der alten Torhalle stammt 
ein großer Teil der Bausubstanz des Mittelschiffs.


 

Ihren östlichen Ausgang
markiert diese ungewöhnliche „Brücke“ im Vierungsbogen,
hinter der sich das Querschiff mit dem achteckigen Vierungsturm ...



... und der rechteckige Chor Hezilos befinden.



Ziemlich wuchtig sind auch die Emporen
über den beiden Seitenschiffen geraten,
die früher wohl noch zur Toranlage gehört hatten.



An der Nordseite ist die Empore zugemauert worden.



Die nördliche Seitenapsis ist heute
komplett barock gestaltet ...



... und gehört zum nördlichen Seitenschiff, das nach 1700 entstanden ist,
als diese Seite des Gebäudes durch Bodenabsenkungen 
baufällig geworden war.

Es ist ein barocker Kirchenraum, 
der fast so breit ist wie das Mittelschiff.



Die südliche Seitenapsis ist hingegen gut erhalten
und weist ein buntes Glasfenster auf.



Bemerkenswert ist auch das südliche Seitenschiff, 
an dem einige Kapellen angebaut sind ...



... und das im Westen in ein Stiegenhaus mündet.



An einer Langhauswand 
ist noch dieses Fresko erhalten.


Bei der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945
wurde auch die Kreuzkirche durch Spreng- und Brandbomben schwer beschädigt,
 erhalten blieb u.a. die Sakristei.

Die Kunstschätze waren jedoch ausgelagert worden und blieben unversehrt.

Der Wiederaufbau begann 1948,
ab 1952 konnte die Kirche wieder für Gottesdienste genutzt werden.

1958 war sie weitgehend getreu dem Vorkriegszustand wiederhergestellt. 









Sonntag, 23. April 2017


Deutschland, Goslar (Niedersachsen):
Klauskapelle, 12. Jhdt.

 

Diese kleine romanische Hallenkirche entstand ursprünglich 
als Teil der städtischen Wehranlage am Klaustor.


 

Seit 1537 ist sie Hospitalkapelle der Bergleute,
da sie am Weg zum Erzbergwerk am Rammelsberg liegt,
und ist für Jahrhunderte ihr Gebets- und Gottesdienstraum.

1988 wurde sie von den Bergleuten
nach der letzten Schicht am Rammelsberg zum Abschied besucht.



Hier an der Nordseite sind drei Rundbogenfenster erhalten,
das Portal wurde bereits gotisch umgestaltet.



In die kleine Mauer davor ...



... wurden zwei romanische Reliefsteine, ...



... die beide den Hl. Nikolaus darstellen, eingemauert.



An der Südseite wurde inzwischen ein Häuschen angebaut,
das wahrscheinlich einen Trafo enthält.



An diesem Bild von der Südseite ist gut zu erkennen,
dass diese Außenmauer der Kapelle früher Teil der Stadtmauer war,
der Wehrgang verlief über ihren Dachboden.



Die halbrunde Ostapsis ist nach wie vor
hinter einer schützenden Mauer versteckt.



Innen hat sie zwei nachträglich vergrößerte Fenster
und ist durch einen Triumphbogen mit einer Kreuzigungsgruppe
vom Anfang des 14. Jhdts. vom Langhaus getrennt.



In der Apsiskulotte thront Christus in der Mandorla.



Bemerkenswert sind weiters die Hochkanzel aus der Gotik ...



... mit einem Fresko aus derselben Zeit darüber ...



... sowie die gotische bemalte Holzdecke.



Der Westteil wird durch große Fenster erhellt
und fällt eher schlicht aus.



Die Frankenberger Pfarre hat das Kanzelrecht
und erwirbt 1969 die Kapelle von der Bergverwaltung.

Heute istsie regelmäßig ins Gemeindeleben eingebunden
für Gebetszeiten und Gottesdienste.








Freitag, 21. April 2017



Deutschland, Goslar (Niedersachsen):
Ehemalige Kaiserpfalz und Ulrichskapelle,
1. Hälfte des 11. bzw. 12. Jhdts. erbaut


(Bitte die teilweise schlechte Qualität der Bilder zu entschuldigen,
der Verschluss des Objektivs ließ sich nicht mehr vollständig öffnen.)




Erste Bauten der Kaiserpfalz standen bereits um 1005 - 1010.

1048 berief Heinrich III. einen der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit,
den späteren Bischof von Osnabrück, Benno II., nach Goslar.



Unter dessen Leitung wurden 
in der 1. Hälfte der 1050er Jahre die Bauten beendet, 
an denen seit den 1040er Jahren gearbeitet wurde:

Ein neues - das uns heute bekannte und oben abgebildete - Kaiserhaus ...


 
... sowie ein wenig tiefer gelegen die Stiftskirche St. Simon und Judas,
die im 19. Jhdt. wegen Baufälligkeit leider abgetragen wurde
(hier oben noch ein Gemälde davon).



Das Kaiserhaus war mit 54 m Länge und 18 m Breite
der größte Profanbau seiner Zeit.



Sein Zentrum stellte der zweigeschossige Saalbau dar:

Er beherbergte übereinander zwei Säle von 47 x 15 m,
die beide eine Balkendecke hatten,
die in der Mitte durch eine Säulenreihe gestützt wurde.




Der obere Saal wurde als „Sommersaal“ bezeichnet:

Mit sechs großen Rundbogenöffnungen
und einem ebenfalls mit Bögen strukturierten
Mittelbereich in seiner Ostfassade, der wohl auf einen Altan führte,
ist der Raum durch das Mauerwerk „nach außen hin geöffnet“.

Möglicherweise wurde so dem „thingrecht“ genüge getan,
wonach ein Gericht unter freiem Himmel abgehalten werden sollte.

 

Der untere Saal führte die Bezeichnung „Wintersaal“
(hier an den eckigen und vergitterten Fenstern zu erkennen):
 
In diesem Saal befand sich eine Warmluftheizung,
damit er auch bei schlechter Witterung
für Versammlungen genutzt werden konnte.



Im Norden schloss sich an den Saalbau
ein ebenfalls zweigeschossiges Wohngebäude an.

Auch hier war das Obergeschoss
wahrscheinlich der kaiserlichen Familie vorbehalten.

Es bot einen direkten Zugang sowohl in den oberen Saal
als auch, wahrscheinlich über eine Galerie, ...



 
... in die damals benachbarte Liebfrauenkirche und alte Pfalzkapelle,
die heute ebenfalls nicht mehr steht.




Unter Heinrich V. wurden zu Beginn des 12. Jhdts.
noch einmal bauliche Veränderungen am Kaiserhaus vorgenommen.



Dabei wurde die jüngere Pfalzkapelle, eine Doppelkapelle, 
die dem Hl. Ulrich geweiht ist, ...



... weiter südlich in unmittelbarer Nähe 
des jüngeren, heute nicht mehr existierenden Wohnpalastes errichtet.



Dabei fällt im Untergeschoss
diese höchst ungewöhnliche Konstruktion
einer kleinen Seitenapside auf.



Die Doppelkapelle konnte inzwischen sicher
auf die 1. Hälfte des 12. Jhdts. datiert werden
wobei das Obergeschoss erst im Zuge eines Planwechsels
oder einer nachträglichen Aufstockung 
wohl in der 2. Hälfte des 12. Jhdts. entstand.



Heute ist die Ulrichskapelle durch einen Verbindungsbau 
an das Kaiserhaus angeschlossen, ...



... dem zwei Treppen mit einem Haus vorgestellt sind.



Dieses Treppenhaus dürfte hier noch ein
original romanisches Triforium eingebaut bekommen haben.



Hier der Grundriss der ehemaligen Kaiserpfalz
mit dem Kaiserhaus links und der ehemaligen Basilika rechts ...



... sowie hier der Grundriss des Kaiserhauses mit der Ulrichskapelle,
die heute beide beim Museumsbesuch besichtigt werden können.



Im unteren Bereich sind zahlreiche Exponate ausgestellt.



In einem Saal wird eine Filmanimation ...



... zur ehemaligen Stiftskirche St. Simon und Judas gezeigt.



Auf diesen Bildern, 
die auf die nackte Steinwand geworfen werden, ...



... kann man gut die frühere Position
der noch heute existierenden Vorhalle
in der alten Stiftskirche erkennen.



Das Hauptportal der Stiftskirche muss imposant gewesen sein.



Hier auch die vermutliche Kaiserloge mit dem Kaiserstuhl,
dessen Kopie heute in der verbliebenen Vorhalle ausgestellt ist.



Und hier der so genannte Krodoaltar im Chor, ...


 
... der heute im Untergeschoss des Museums zu sehen ist.

Er gilt als einziger metallener Kirchenaltar der Romanik
und wurde vermutlich im späten 11. Jhdt. hergestellt.



Hier die Original-Rückenlehne des Kaiserstuhls unter Panzerglas,
der zwischen 1060 und 1080 geschaffen worden ist ...



... und der Thron der Kaiser und Könige
in der früheren Stiftskirche war.



Hier noch weitere romanische Exponate
wie dieser Türbalken mit zwei Kranichen ...



... oder dieser alte Fensterrahmen mit Weinranken.



Auch dieses mittelalterliche Kapitell ...



... und diese romanische Säulenbasis
mit den typischen "Krallen" an den Ecken sind hier zu finden.



Hier ein Bronzevogel vom Giebel der Kaiserpfalz,
zwischen 1250 und 1300 entstanden.



Dieser sieht dem vergoldeten Vogel
auf dem romanischen Marktbrunnen verblüffend ähnlich.



Weiters die Skulptur eines liegenden Löwen aus Sandstein,
um 1100 bis 1300 entstanden
und aus einem unbekannten Gebäude aus Goslar.



Dieses Zapfenkapitell stammt aus der Kaiserpflalz,
ist ebenfalls aus Sandstein und zwischen 1140 und 1180 entstanden.



Hier noch ein Modell des Kaiserhauses
mit der Liebfrauenkirche (im Bild rechts).

Diese wurde in den 1030er Jahren als zweigeschossige Pfalzkapelle erbaut
und bestand aus einem zentralen quadratischen Bau von ca. 10 m Seitenlänge,
dem sich im Osten drei Apsiden und auf der gegenüberliegenden Seite
ein Westwerk  mit zwei Rundtürmen anschlossen.



Das Erdgeschoss mit Zugang auf der Südseite 
war für das „einfache Personal“ bestimmt.

Das wahrscheinlich mit Marmor ausgelegte Obergeschoss 
diente auch hier der kaiserlichen Familie
 und hatte vom Westwerk aus eine direkte Verbindung zum Kaiserhaus.

Die Türme der Kirche stürzten 1672 ein, der Rest 1722,
woraufhin die Steine als Baumaterial verkauft wurden.



Doch weiter in den ehemaligen Sommersaal des Kaiserhauses, ...



... der nach seiner Umgestaltung unter Wilhelm I. von 1868 - 1890 ...



... und nach der Anbringung dieser monumentalen Wandgemälde 
von Hermann Wislicenus ...



... nun Kaisersaal heißt ...



... und für Veranstaltungen genutzt wird.



Um zur angrenzenden Ulrichskapelle zu gelangen, ...



... muss man diesen Verbindungsgang,
der im 19. Jhdt. errichtet worden ist, ...



... mit seinen reich verzierten Säulen entlang gehen.



Hier sind auch alte Grabsteine aufgestellt, 
die wohl noch aus der ehemaligen Stiftskirche stammen.



Eine steile Wendeltreppe führt in die Unterkapelle,
der Zutritt zur oberen ist leider nicht gestattet.



Diese ist ein kreuzförmiger Zentralbau ...



... mit vier Rundapsiden in der Art eines Tetrakonchos. 
 

 
 Die nördlichen und südlichen Kreuzarme 
besitzen zusätzlich kleinere seitliche Apsiden.


 
Über die äußere Kreuzform tritt nur 
die im 19. Jhdt. rekonstruierte Ostapsis hinaus, ...



... die heute moderne Glasfenster aufweist.



In der Unterkapelle, genau im Mittelpunkt des Kreuzes, 
steht heute ein Sarkophag, dessen Deckelplatte
eine etwa in der Mitte des 13. Jhdts. entstandene Plastik ziert: 



Der lebensgroße, liegende Heinrich III.,
 den Kopf auf ein Kissen gebettet, ..



... zu Füßen ein Hund liegend, ...


 
... in der rechten Hand das Zepter
und in der linken das Modell einer Kirche. 



Der Sarkophag enthält in einer achteckigen, vergoldeten Kapsel
 das Herz Heinrichs III., das auf dessen Wunsch hin in Goslar verblieben ist 
und seit 1884 in der Ulrichskapelle aufbewahrt wird.

Sein restlicher Körper ist im Dom in Speyer bestattet. 



Genau darüber
befindet sich der Durchbruch in die Oberkapelle, ...



... die achteckig angelegt ist,
wobei die Anbindung an die kreuzförmige Unterkapelle
über Trompengewölbe realisiert wird.



Eine derartige Konstruktion ist in Deutschland einmalig
und aus der nachträglichen Aufstockung der Kapelle heraus zu erklären.

Außerdem weist sie auf architektonische Einflüsse
aus der früheren Ostkirche hin.



Die Oberkapelle war ursprünglich der kaiserlichen Familie vorbehalten
 und grenzte direkt an den nördlich anschließenden Wohnpalast.

Darüber befindet sich eine Kuppel aus Holz.



Hier noch eine Apsis im Untergeschoss, ...



... an der noch Farbreste ...



... einer alten Bemalung zu erkennen sind.



Bleibt zum Abschluss nur noch,
die herrliche Aussicht auf die Marktkirche im Zentrum Goslars
sowie auf die Reiterstandbilder aus 1900 zu genießen, 
die Kaiser Wilhelm I. (rechts) und 
Kaiser Friedrich I. Barbarossa (links) darstellen.




Dazwischen eine Kopie des berühmten Braunschweiger Löwen,
der an Heinrich den Löwen, den Vetter Friedrich Barbarossas
und Herzog von Sachsen und später Bayern,
der in 1195 in Braunschweig verstorben war, erinnern soll.






Die Kaiserpfalz

sowie die Ulrichskapelle 

sind absolut sehenswert!