Dienstag, 12. Dezember 2017


Italien, Porto Torres (Sardinien, Provinz Sassari):
Ehemalige Kathedrale San Gavino, Mitte 11. Jhdt.



Diese Basilika steht am westlichen Ende des Parks "San Gavino"
in der Hafenstadt Porto Torres im Norden Sardiniens ...



... und ist eine ehemalige Kathedrale im frühen toskanischen Stil.



Sie ist eine dreischiffige Basilika
mit einer West- und einer Ostapsis, aber ohne Turm.



Hier eines der drei abgetreppten Lanzettfenster 
der halbrunden Ostapsis, 
ein Kennzeichen des lombardischen Baustils.



Während die Hegemonie der Viktoriner im Judikat Cagliari 
zur Erstarrung des Kunstbetriebes führte, 
nahm das Judikat Torres an der Entwicklung der romanischen Baukunst 
auf dem italienischen Festland teil. 



San Gavino ist heute die größte, besterhaltene 
und bedeutendste pisanische Kirche aus der Zeit, 
bevor die Baumeister Buscheto und Rainaldo
mit der Errichtung des Domes von Pisa
jenen farbenprächtigen Stil prägten, 
der gemeinhin unter „pisanisch“ verstanden wird.



Die Anfänge des Bauwerks reichen in die Mitte des 11. Jhdts. zurück, 
da San Gavino bereits in der Zeit des Richters 
Barison I. von Torres (1063 – 1065) urkundlich erwähnt wird. 



Wie eine sardische Handschrift von 1470 berichtet, 
holte man für den Bau der Kirche 
„die elf vorzüglichsten und besten Steinmetze und Maurer, 
die man in Pisa auftreiben konnte“. 



Hier sind die schmalen Lanzettfenster
einfach gelaibt, nicht getreppt wie an der Ostseite.



Dieses Portal wurde im Jahre 1492 
an seinen heutigen Platz versetzt.



Darüber befinden sich einige Steinreliefs
wie dieser Löwe.



Heute geht man davon aus, 
dass San Gavino von Anfang an als Doppelapsisbau geplant war, 
und zwar mit dem Hauptaltar in der Mitte, 
wo er noch Anfang des 17. Jhdts. stand. 



Diese Vermutung hat Auftrieb erhalten, 
seit 1978 beim Entfernen der Putzschichten an den Innenwänden 
eine Baunaht in der Höhe der beiden 
westlichen Kreuzpfeiler sichtbar wurde.



Alle Details fügen sich in San Gavino 
zu einem harmonischen Ganzen 
von einer sublimen Feierlichkeit, 
deren Ursache auch in der unsardischen Großzügigkeit 
der etwa 55 m langen Anlage liegt.



Ober- und unterhalb der flachen Pultdächer der Seitenschiffe 
werden die Bögen in Zweierabständen 
von flachen Lisenen getragen. 



Dieser Doppeltakt des Blendbogenfrieses 
wurde auf Sardinien in zahlreichen späteren Kirchen kopiert, 
so in San Simplicio in Olbia und Santa Giusta. 
 


1492 fügten katalanische Bauleute
dieses große Südportal ein.



Darüber erinnert dieses Relief wohl an den Gründer
dieser herrlichen Basilika.



Auch das Nordostportal wurde
nachträglich hier eingerichtet,
durch das man die Basilika heute betritt.



Das Raumgefühl ist durch das breite, hohe Mittelschiff 
und die schmalen, niedrigen Seitenschiffe gegeben. 

Schlanke Säulenreihen, deren Rhythmus in unregelmäßigen Abständen 
von Kreuzpfeilern unterbunden wird, sind durch kurze Bögen verbunden. 

Hier oben der Blick in die Westapsis, ...
 


... während dieses Bild die Ostapsis wieder gibt.

In toskanischer Weise verwendete man 
römische Säulen aus Marmor und Granit, 
deren Vielfalt an Formen und Farbtönungen 
der feierlichen Einförmigkeit des Quaderwerks 
eine verhaltene Fröhlichkeit entgegensetzt. 



Die schlichten quadratischen Steinplatten über den Kapitellen, 
die auch in den toskanischen Kirchen des 11. Jhdts. (Grado)
und im Dom von Pisa anzutreffen sind, 
wurden während des 12. Jhdts. auf Sardinien 
und in der Toskana von nahezu allen Kirchen übernommen.



Im Gegensatz zu dem mit Balken gedeckten 
Grundtypus der toskanischen Kirchen 
besitzt hier nur das Mittelschiff eine Balkendecke. 



In den Seitenschiffen lassen die Kreuzgewölbe 
mit den unverzierten niedrigen Gurtbögen 
lombardischen Einfluss erkennen.



Im nördlichen Seitenschiff ...



... befindet sich der Abgang zur äußerst geräumigen Krypta.


 
 
Im Vorraum ist ein römischer Sarkophag aus dem 3. Jhdt. aufgestellt, 
der in einem Relief zwischen den Eheleuten 
Apollon und die neun Musen zeigt. 



Daneben befinden sich diese Figuren.



Bemerkenswert ist dieser Raum am Westende der Krypta, 
der wohl in der Renaissance gestaltet wurde ...



... und zahlreiche Statuen aufweist.



Darunter sind weitere Särge untergebracht,
die aber weitaus schlichter als der römische sind.


Als im Jahr 1614 der spanische Erzbischof von Sassari
im Innenraum von San Gavino Grabungen durchführen ließ, 
stieß man auf die Reste verschiedener älterer Bauten. 

Eigentlich suchte er die Gebeine des Märtyrers Gavinus 
und seiner Leidensgenossen Protus und Januarius, 
die der Überlieferung nach hier begraben wurden. 

Der Hl. Gavinus ist einer der „Nationalheiligen“ der Insel.






 Ein Muss für jeden Romanik-Fan,

der Sardinien besucht!









Samstag, 9. Dezember 2017


Italien, Plaiano (Sardinien, Provinz Sassari):
Kirchlein San Michele, Ende 11. Jhdt. erbaut
 


 Diese kleine Kirche ist das älteste romanische Bauwerk
in der Gegend um Sassari und gehört zur Pfarre
"Nostra Signora del Latte Dolce".



Sie steht ungefähr 9 km von Sassari entfernt
in einem kleinen Tal des Flüsschens Silis,
liegt heute etwa 1 m unter dem Straßenniveau
und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert.



Nur das Westportal und die Nordseite
sind noch weitgehend original erhalten.



Die Kirche ist aus hellen Sandsteinquadern errichtet
und nur von einigen Ziegeleinlagen im Fischgrätmuster unterbrochen
(Fachbezeichnung "opus spicatum"- hier extra eine Großaufnahme davon).



San Michele wurde in drei Bauphasen erbaut:

Zur ersten um 1082 gehören die Mauern der Nordseite
mit graduierten Rundbogenfenstern und -friesen.



Aus dieser stammen wohl auch noch die Auflagen der Rundbogenfriese,
wobei das rechte natürlich renoviert und ersetzt wurde.



Die Apsis wurde leider mittlerweile zerstört
und an der Südseite wurde eine Fabrik angebaut.



Aus der zweiten Bauphase stammen
der Teil der Nordseite mit dem ovalen Rundbogenfenster 
(s. auf dem Foto hier ganz rechts) ...



... sowie die Westfassade.



Diese ist optisch in zwei Teile geteilt ...



.. . und speziell im oberen Bereich
zusätzlich mit geometrischen Mustern verziert.



In der Mitte des Giebels ist ein Biforium zu finden,
das heute stark renoviert ist.



 Innen ist das einschiffige Haus mit Holz gedeckt ...



... und ziemlich schmucklos gehalten.

Ab 1115 ging die Kirche an die Kamaldulenser von San Zeno,
die die Kirche in Richtung Osten erweiterten.

Um 1127 wurde die ehemalige Abtei schließlich
in das Erzbistum von Torres integriert.











Mittwoch, 6. Dezember 2017


Italien, Tergu (Sardinien, Provinz Sassari):
Pfarrkirche Nostra Signora, 1117 geweiht



Mitten im Ort Tergu 
und umgeben von einer Steinmauer ...



... ist diese Pfarrkirche zu finden.



Sie ist der Rest einer Benediktinerabtei,
die vom Richter von Torres, Mariano I. von Lacon-Gunale,
der von 1065 - 1082 regierte, gegründet worden war.



Die Kirche wurde von lombardischen 
und pisanischen Baumeistern erbaut.



Ihr Äußeres ist aus rotem Trachyt,
weiße Sandsteine wurden zur Dekoration verwendet.



Ihr Areal wird durch einen 
noch erhaltenen Steinbogen betreten, ...



... der am großen Platz an der Viale dei Benedettini liegt. 



Die Westfassade ist in zwei Teile geteilt:



Unten befindet sich ein Sockel, 
aus dem zwei Eckpfeiler sowie zwei Blendsäulen aufsteigen
und in Rundbögen münden.

Im mittleren Bogen befindet sich das Portal,
dessen Kapitelle mit Akantusblättern geschmückt sind.



Darüber gibt es fünf Rundbögen,
anr denen sich geometrisch eingelegte Muster befinden.

Speziell sind auch die beiden äußeren Säulen,
die im Zickzackmuster gestaltet sind.



Der Mittelbogen hat eine filigran gearbeitete Rosette.



An der Nordseite erhebt sich der massive Campanile, ...



... der einen quadratischen Grundriss hat.



Die Seitenwände der Kirche sind durch Lisenen strukturiert,
die von Rundbogenfriesen bekrönt sind.



Die Kirche selbst ist in Form eines lateinischen Kreuzes erbaut
mit einem Kirchenschiff und einem Querschiff in Form eines T.



Die Apsis ist ebenfalls quadratisch ...



... und wurde 1664 rekonstruiert.



Das restliche Kirchenschiff ist noch original erhalten.



Ebenfalls 1664 wurde das Kirchenschiff eingewölbt,
was aber später wieder rückgängig gemacht wurde.



Heute ist es mit Holz gedeckt,
wie es ursprünglich für romanische Kirchen üblich war. 



Hier die beiden Querschiffe, 
deren leichtes Spitzbogengewölbe man belassen hat.



Diese Seitenkapelle wurde nachträglich angebaut.



Ansonsten ist das Mauerwerk innen eher schlicht.



An der Nordseite gibt es noch ein weiteres Portal.



1444 gelangten Kirche wie Kloster in den Besitz
der Erzdiözese von Sassari.






 Unbedingt ansehen!