Samstag, 22. Juli 2017


Deutschland, Geisenfeld (Bayern):
Pfarrkirche St. Ulrich im Ortsteil Ainau, 
um 1220 / 1230 errichtet 



Dieses Kirchlein steht auf einem kleinen Hügel
und wurde vermutlich auf dem Fundament einer kleinen Burg erbaut,
die Herzog Adalbero um etwa 1036 erbaut hatte.



 St. Ulrich besteht aus einem rechteckigen Langhaus,
einer halbrunden Apsis und einem Turm, 
ausgeführt in Kelheimer Kalkstein.



U.a. ist es bekannt für sein einzigartiges Portal,
an dem teilweise noch die Farbfassung erkennbar ist.



Dreistufig gegliedert,
wird es von einem profilierten Rahmen eingefasst, ...



... auf dem der im Dreiviertelrelief dargestellte Christus thront.



Das Tympanon über der Türöffnung
zeigt die Seelen in Abrahams Schoß.


 
Abraham hält als frontale Halbfigur
in einem von seinen Händen ausgebreitenen Tuch vier kleine Menschenkinder
flankiert von zwei knieenden Ganzfiguren und "überwacht" von drei Büsten.



Das Bild von "Abrahams Schoß" wurde im Mittelalter
gerne als Symbol für das Paradies gebraucht:

So sieht der Kirchenbesucher schon am Portal dargestellt,
was ihn im Gotteshaus erwartet: 
Friede und Geborgenheit in der Nähe Gottes.



Die Kapitelle der Blendsäulen daneben sind ebenfalls mit Reliefs versehen ...





... wie auch deren Basen.



Rechts vom Portal veranschaulichen drei Reliefsteine 
den Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag.


 
Christus reitet auf einem Esel der heiligen Stadt entgegen, ...



... vor deren Türmen und Mauern eine Mutter mit Kind erscheint.



Auf dem Weg legen zwei Männer Kleider aus,
während ein dritter (wie Zachäus) in den Zweigen eines Baumes sitzt.



Der rechteckige Turm wurde der Apsis hingegen
erst in der 2. Hälfte des 15. Jhdts. aufgesetzt ...



... und führte später zu Rissen im Gemäuer, 
da das Gebäude hier kein ausreichend starkes Fundament besaß. 



Trotz der späteren Erbauung ...



 ... hat aber offensichtlich ein "romanisches" Tier
hier am Turm seinen neuen Platz gefunden,
wahrscheinlich der ursprüngliche Dachreiter der Apsis.



An der Apsis findet sich reiche Bauplastik. 



Die obere Hälfte des Halbrunds
ist in drei Blendarkaden gegliedert, ...



... deren Rundbogen auf Menschen- und Tierkopf-Konsolen ruhen, ...



... darunter auch ein Stier- und ein Hasenkopf.



1858 – 1861 wurden das Langhaus nach Westen
auf seine heutige Größe verlängert ...



... und an der Nordostseite eine Sakristei angebaut,
die heute komplett erneuert ist.

Auch diese Erweiterungen brachen wegen unzureichender Gründung
vom ursprünglichen Baukörper ab.



In den Jahren 2003 - 2004 erhielt das Baudenkmal
mittels Hochdruckinjektion
ein neues Fundament aus tief gegründeten Betonsäulen.



Das derart gesicherte Gebäude ...


 
... und seine Einrichtung wurden 2006 - 2008 aufwändig restauriert.

Die ungewöhnliche gotische Einwölbung der Apsis erfolgte
bereits im Zuge des Turmaufbaus darüber.



Hier befinden sich auch die Gipsabgüsse von zwei gotischen Statuen, 
die den Hl. Ulrich und den Hl. Sixtus darstellen.

Die Originale befinden sich im Diözesanmuseum in Regensburg.


 
Diese Pietá wurde 2008 als Ersatz 
für eine 1976 gestohlene spätgotische Pietá geschaffen:

Maria trägt ihren toten Sohn auf dem Schoß,
wobei ihre beiden Körper ein Kreuz bilden.



An der Westseite ist eine hölzerne Empore eingebaut,
die auf zwei fast bedenklich schmalen Holzpfosten ruht.



St. Ulrich m.E.ist trotz seiner Umbauten
in die Reihe der noch fast original erhaltenen
romanischen bayrischen Landkirchen einzuordnen.





Sehenswert!









Donnerstag, 20. Juli 2017


Deutschland, Münchsmünster (Bayern):
Ehemalige Seelenkapelle bei Pfarrkirche St. Sixtus, 
wohl 1092 geweiht



 Gleich südöstlich neben der Pfarrkirche ...



... ist diese kleine Kapelle romanischen Ursprungs zu finden.



Während die Pfarrkirche zwar zur selben Zeit erbaut wurde,
ist sie inzwischen fast komplett umgestaltet,
doch diese ehemalige Seelenkapelle 
hat ihren romanischen Charakter bis heute bewahrt.



Über dem Südportal ist noch ein altes Tympanon eingemauert.



An der Ostseite ist eine typisch romanische halbrunde Apsis ...



... mit einem kleinen Rundbogenfenster zu finden.



Obwohl die Apsis der Pfarrkirche daneben 
auch noch romanischen Ursprungs ist,
ist sie heute kaum mehr als solche zu erkennen.



Bei der Seelenkapelle handelt es sich 
um einen verputzten Satteldachbau
mit leicht eingezogenem Vorchor und kleiner Chorapsis.



Das Grüngelände, auf dem die Kapelle steht,
war früher der Friedhof von Münchsmünster.



Innen soll die Kapelle ein Tonnengewölbe und 
im Vorchor ein Kreuzgratgewölbe haben.



Der Zugang an der Nordseite war leider verschlossen.









Dienstag, 18. Juli 2017


Deutschland, Hepberg (Bayern):
Kirchlein St. Oswald, 11. oder 12. Jhdt.


  
An der höchsten Stelle von Hepberg
erhebt sich diese kleine romanische Kirche.



Ihre genaue Errichtungszeit ist unbekannt,
da sie nie Pfarrkirche war und daher nie Archive hatte,
sondern die Kirche eines herrschaftlichen Anwesens war.



Bei der Entfernung des äußeren Verputzes stellte man fest, 
dass die Kirche in den ersten Jahren keinen Putz hatte, 
sondern nur aus behauenen und verfugten Steinen gebaut war. 

Außerdem war die Wetterseite nur aus groben Bruchsteinen gemauert,
da nach Abbruch des angebauten herrschaftlichen Hauses
die Mauer nicht mehr stark genug war und verstärkt werden musste.



Etwas ungewöhnlich versetzt erscheint auch die halbrunde Apsis,
ein Hinweis darauf, dass bei der Erbauung bereits ein Haus daneben stand.



Auch gab es um St. Oswald nie einen Friedhof.



An der Südseite befinden sich diese schönen Rundbogenfenster.



Der heutige Verputz wurde bei der Renovierung 1986 so erstellt, 
wie er sich an der Apsis innerhalb der Sakristei fand. 

Die Freilegung dort ergab einen Putz aus gotischer Zeit, 
der mit bräunlichem Sand aus einer Sandgrube von Hepberg versetzt wurde.



Der Zugang zu St. Oswald erfolgt heute über eine einfache Türe,
ein romanisches Portal ist nicht (mehr?) vorhanden.



Beim Eintritt in die Kirche fällt der Blick sofort
auf die alten Fresken in der Apsis:



Hier ist Christus in der Mandorla  
umgeben von den vier Evangelistensymbolen.



An der Laibung der Fenster im südlichen Langhaus
ist ebenfalls noch die Bemalung mit Pflanzenornamenten erhalten.



Deutlich beweist die weitere Funktion der Kirche ein Fluchtweg, 
der in Südostecke der Kirche entdeckt wurde. 



Dieser verlief ebenfalls in südöstlicher Richtung 
und endete entweder im Gebüsch oder in einer Scheune. 

Leider wurde dieser Gang beim Straßenbau zerstört.