Montag, 13. August 2018


Deutschland, Michelstadt (Bayern):
Ehemalige Einhardsbasilika im Ortsteil Steinbach, 
815 - 824 erbaut


 

Dieser historisch bedeutsame Kirchenbau
ist eine der wenigen in Deutschland noch erhaltenen
Basiliken aus karolingischen Zeiten.



 Sie steht in Steinbach, einem Ortsteil im Nordwesten
von Michelstadt im hessischen Odenwald.



Ihr Name "Einhardsbasilika" stammt von ihrem Erbauer,
einem Vertrauten Karls des Großen sowie Ludwigs des Frommen,
der als Dank für seine Leistungen 815 die Mark Michelstadt
von Ludwig dem Frommen zu Geschenk erhielt.

Hier ließ er diese Kirche als Grablege für sich
und seine Frau Imma errichten.



Dazu hatte er eigens die Reliquien 
der beiden Heiligen Marcellinus und Petrus
aus Rom beschafft.

Doch als diese Relikte in Steinbach "Blut schwitzten"
und seine Diener deswegen Albträume hatten,
wurden die Gebeine 828 nach Seligenstadt überführt.



Daraufhin verlor diese Einhardsbasilika 
hier in Steinbach an Bedeutung
und Einhard ließ in Seligenstadt eine neue errichten.

(s. Blogeintrag im März 2018)



Sie wurde als dreischiffige Basilika erbaut, ...



... deren Hauptapsis nach Osten weist
und ursprünglich von zwei Nebenapsiden flankiert war.




So sah der Ostabschluss wohl früher aus.



1855 stürzte die Hauptapsis
mit dem östlichen Giebel ein.

In den folgenden Jahren wurden diese Teile
aus unverputztem Sandstein
wieder aufgemauert.



Vor dem Hauptschiff
befand sich früher ein Atrium
und jeweils nördlich und südlich
vor den Seitenschiffen ein weiterer Vorraum:

Diese sind heute nicht mehr erhalten.




Hier der Grundriss 
der karolingischen Basilika des 9. Jhdts.,
die unterbrochenen Linien zeigen 
die Kryptagänge unter der Kirche an.

Das Mauerwerk folgt römischer Art
und besteht zumeist aus rotem Sandstein.



Größere Umbauten fanden im Jahr 1168 statt,
wohl für das bereits bestehende Nonnenkloster:
Es wurden an den nördlichen Nebenchor ...



... eine Sakristei und der so genannte Winterchor
angefügt sowie das Dach erneuert.



Im Laufe der Umbauten und der Zeit
wurde auch die nördliche Seitenapsis umgestaltet.



Die große Mittelapsis blieb dabei
weitgehend erhalten, bekam nur unten
zur Krypta ein wesentlich größeres Fenster.



Um 1587 wurde die romanische Westfassade
mit Portal, Giebel und dem noch stehenden, 
aber baufälligen Südturm abgerissen.

Mit den bei diesem Abriss gewonnenen Baumaterialien
- leider sehr vielen romanischen Teilen - 
wurde die heutige Westseite mit Tor und Giebel errichtet.



Die Basilika selbst diente 
bis zu ihrer „Wiederentdeckung“ im 19. Jhdt.
als Schuppen für Jagdgerät und als Holzlager.

Gerade Letzteres erwies sich als glücklicher Umstand:
Da die Hoftischlerei trockenes Holz bevorraten wollte,
wurde stets darauf geachtet, das Dach dicht zu halten.



Die Basilika war im Innenraum großflächig verputzt
und im Bereich der Mauern des Mittelschiffes ...



... mit dazugehörenden Arkaden, Fensternischen
und Pfeilern gelblich-weiß getüncht.



Eine nicht mehr erhaltene Chorschranke
grenzte den Hauptchor vom Mittelschiff ab.




Diese könnte in etwas so ausgesehen haben.



Der Bereich der Hauptapsis
war vermutlich ebenso ausgemalt,
möglicherweise sogar vergoldet.



An ihrer Seite sind noch vage Reste ...



... karolingischer Malereien zu erkennen.




 Heute ist dafür die regelmäßige Steinschichtung
der restaurierten Apsiskulotte zu sehen.



 An den zugemauerten Arkaden des Mittelschiffs ...



... sind Grabplatten von Äbtissinnengränbern aufgestellt,
die aus der Zeit der Basilika als Nonnenklosterkirche,
also aus dem 11. bis 16. Jhdt., stammen.



Hier auch ein reich verziertes Bogenfeld,
das wohl einmal ein Portal geziert hat.



Durch dieses Rundbogenportal ...



... mit seinen zwei hellen Steinen ...



... und einem Stück Würfelfries darüber ...



... geht es in die ehemalige Sakristei im Winterchor,
wo diese Ausstellung zu sehen ist.




Auch hier gibt es etwas zu besichtigen,
auch wenn das Portal bereits gotisch ist.



Im Mittelschiff befindet sich über jeder Arkade
ein Rundbogenfenster, ...



... deren Laibungen während der Gotik bemalt waren.



An der Nordseite ist das abgekommene
Seitenschiff z.T. wieder neu aufgebaut worden.



In ihm befindet sich heute der Abgang zur Krypta.



Diese ist unterscheidet sich ziemlich
von anderen Krypten ...



... und besteht im Wesentlichen aus Stollen ...



... mit Mauernischen (hier einmal ohne und einmal mit Blitz fotografiert).



Dieser Gang liegt unter der Mittelapsis
und hat ein großes Fenster.



Hier geht es wieder ins Freie, ...




... wo diese steinernen Fundamente
auf einen früheren Turm schließen lassen.



 So sah die Einhardsbasilika noch um 1800 aus, 
bis ein Professor für Kunstgeschichte 1873 entdeckte,
dass ihre Reste karolingischen Ursprungs sind.



2006 bis 2010 wurde sie zum letzten Mal restauriert



Heute untersteht diese einmalige Kirchenruine
der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen
und kann gegen Eintritt besichtigt werden.





Unbedingt ansehen!










Samstag, 11. August 2018


Deutschland, Aschaffenburg (Bayern):
Stiftskirche St. Peter und Alexander 
und Kreuzgang, 10. Jhdt.



 
Auf dem Gipfel eines Hügels gelegen
überragt die ehemalige Stiftskirche, ...



... die die älteste Kirche der Stadt ist,
die Aschaffenburger Innenstadt.

Otto von Schwaben ließ sie im 10. Jhdt.
an der Stelle eines karolingischen
Rechteckbaus errichten.

Ihr Kernbau ist als
romanische Basilika errichtet worden,
weitere Bauabschnitte sind
in der Frühgotik gebaut worden.



Der gotische Turm an der Südwestecke
des Kirchenschiffs entstand etwa 1340 bis 1420,
ein zweiter Turm im Nordwesten blieb unvollendet.

In romanischer Zeit gab es hier
wohl eine Doppelturmanlage.



Der Kirche selbst ist ein Arkadengang
vorgelagert, quasi als Fortsetzung
des dahinter liegenden Kreuzgangs.



Dieser zieht sich um zwei Seiten ...



... und wird nur hier an der Nordseite
von der gotischen Kapelle Maria Schnee durchbrochen.



An der Westseite ist er noch durchgängig erhalten ...



... und beherbergt zahlreiche alte Grabplatten ...



... und Epithaphe wie diese hier.



Seine Arkaden ruhen auf schlanken Säulen.



Von hier hat man einen schönen Ausblick ...


 

... auf den Kirchplatz vor der Stiftskirche ...



... mit seinem schönen Fachwerkhaus.



Unter der Vorhalle befindet sich auch
das Hauptportal, ...



... das aus spätromanischen Zeiten um 1220 stammt.



In seinem Tympanon ist Christus 
als Weltenherrscher dargestellt,
ihm zur Seite die Heiligen Petrus und Alexander.



Innen ist das Mittelschiff der Pfeilerbasilika
noch ganz dem romanischen Baustil verpflichtet.



An der nördlichen Langhauswand
ist ein romanisches Kruzifix
aus um 1200 angebracht.



Beim Eintritt in das Kirchenschiff gelangt man
in eine westliche Halle mit 16 spätromanischen Säulen,
die vermutlich aus der ehemaligen Vorgängerburg
von Schloss Johannisburg stammen 
und reich geschmückte Kapitelle aufweisen.

Diese wurde erst 1618 dem Hauptschiff angefügt, 
sie trägt heute die Orgelempore.



Ältester Teil der heutigen Kirche ist das Langhaus
mit romanischen Pfeilerarkaden aus dem 12. Jhdt.,
die die Hochwand und die darüber liegenden
Hochfenster tragen.



Beide Seiten des Querhauses, ...

 


... der Ostchor stammen aus der
1. Hälfte des 13. Jhdts. und sind gotisch gestaltet.



Auch die Seitenschiffe sind später angefügt worden.



An sie schließen z.T. gotische Kapellen ...



... wie diese Taufkapelle ...



... mit ihrem bunten gotischen Taufstein.



Der neue Altar in der Vierung 
wurde allerdings erst 1981 geweiht.



Die Maria-Schnee-Kapelle an der Nordwestseite
ist älter und wurde schon 1516 
durch Albrecht von Brandenburg geweiht.



Auch in der Kirche sind Epitaphe aufgestellt.



Der elegante romanische Kreuzgang ...



... mit seinen 64 Kapitellen ...



... wurde 1240 bis 1245 erbaut
und schließt an der Nordseite der Kirche an.



Er wurde im 19. Jhdt. ...



... und wohl auch unlängst wieder restauriert
und erstrahlt heute in neuem Glanz.



Die vier Flügel sind wie früher flach mit Holz gedeckt.



Hier springt das Querhaus der Kirche hervor.



An der West-, Nord- und Ostseitedes Kreuzgangs ...



... sind die mittleren Bögen der Dreierarkaden ...




... etwas höher als die beiden seitlichen Bögen.



Nur beim Südflügel,
der direkt an die Kirche anschließt, ...




... sind alle drei Bögen jeweils gleich hoch.



Hier eines der Kapitelle.



Diese sind alle aus rötlichem
Mainsandstein hergestellt.



In der Mitte des Kreuzhofes steht ein Kreuz.



An der Kirchenaußenmauer ...



... sind noch Freskenreste erhalten, die aber jüngeren Datums sind.





Sehenswert!