Mittwoch, 11. April 2018


Deutschland, Trier (Rheinland-Pfalz):
Ehemaliges Simeonsstift, 1130 - 1148 errichtet




Nein - die römische Porta Nigra ist hier nicht falsch!

Sie wurde im Mittelalter zur Kirche umgebaut
und konnte nur dank dieser Tatsache
als besterhaltenes römisches Stadttor nördlich der Alpen
bis heute "überleben".



 
Das Simeonstift war ein Kollegiatstift in Trier,
das gleich an das römische Stadttor Porta Nigra anschloss.



Es ist benannt nach dem griechischen Mönch Simeon,
der sich nach 1028 als Einsiedler in der Porta Nigra niederließ.

Angeblich hat er sich sogar in einen der Türme einmauern lassen.


 
Nach seinem Tod am 1. Juni 1035
wurde er im Erdgeschoss der neuen Kirche bestattet
und wahrscheinlich noch im selben Jahr heilig gesprochen.




Ihm zu Ehren baute man ab ca. 1040 das Simeonstift
- und das ehemalige Tor zur Doppelkirche um. 




Aus dieser Zeit stammt dieser massive Ostanbau,
der der zweistöckigen Kirche als Chorapsis diente.


 

Sogar die so genannte Zwergengalerie über dem Chor
ist heute noch erhalten.



Der im Rahmen der Stiftsgründung 
erfolgte Umbau der Porta Nigra zu einer Doppelkirchenanlage 
wurde erst 1804 auf Befehl Napoleons wieder rückgängig gemacht. 


 

Seitdem befindet sich das entkernte Stadttor 
fast wieder in seinem gallo-römischen Urzustand. 

Lediglich der romanische Ostchor zeugt von außen noch davon, 
dass sich hier einst eine imposante Kirche befunden hat.



Im Moment wird gerade die Westfassade
der Porta Nigra restauriert, ...



... also genau jene Seite des ehemaligen römischen Stadttors, 
an die das Simeonstift angebaut ist.


 

Bald nach dem Tod Simeons wurde westlich und südwestlich 
der damals zur Stiftskirche umgebauten Porta Nigra
ein annähernd quadratisches Geviert von 35 x 30 m angelegt
und zu diesem Zweck sogar der Stadtbach umgeleitet.



Die Nordseite außen folgte der römischen Stadtmauer,
war dann in die mittelalterliche Stadtmauer integriert ...



... und lässt noch heute die Wehrhaftigkeit
der ehemaligen Stiftsgebäude erkennen.



Außerdem sind hier noch romanische Triforien ...



... sowie teilweise 
romanische Rundbogenfenster erhalten.



In den ehemaligen Stiftsgebäuden 
ist heute das Stadtmuseum Simeonstift untergebracht, ...


 

... denn seit 1917/18 ist das Simeonsstift 
im Besitz der Stadt Trier.


 
1937/38 wurden spätere Zubauten abgerissen,
vorhandene restauriert und ergänzt
und so das Gebäude vor dem Verfall bewahrt.


 
Der ursprüngliche Zustand kann heute v.a. im Südflügel ...


 
... und im südlichen Teil des Ostflügels bewundert werden.



Der Nordflügel enthält bis auf den nicht wieder herstellten Kreuzgang
und Eingriffe aus den 1930er Jahren
ebenfalls noch viel Bausustanz aus dem 11. Jhdt.

Hier befanden sich früher die Gemeinschaftsräume der Stiftsherren,
darunter auch die Bibliothek.



2005/06 errichtete man vor dem Nordflügel ein gläsernes Foyer
und dahinter das zentrale Treppenhaus 
sowie einen weiteren Museumsneubau.


 

 Im Nordflügel geht's auch ins Museum, ...



... wo noch original romanische Mauern ...



... und einige romanische wie gotische Arkaden erhalten sind.



Im Ausstellungsraum dahinter ...



... befinden sich interessante Exponate ...



... wie z.B. das originale Marktkreuz von Trier,
mit dem Erzbischof Heinrich I. bereits im Jahr 958 
den Hauptmarkt der Stadt ausstattete.



Der Neubau ruht ebenfalls auf römischen Fundamenten
und auf der mittelalterlichen Stadtmauer.



Hier ist noch die Westwand des Simeonstiftes erhalten.



Dieser Plan zeigt nicht nur die vier Ausstellungsebenen des Museums,
sondern gleichzeitig auch den Grundrisse des Simeonstiftes.



Im 1. Obergeschoss der alten Stiftsgebäude ...




... ist die Ausstellung über die Stadtgeschichte zu finden.




Hier ist im Holzmodell der Stadt,
wie sie um 1500 ausgesehen hat,
auch die Porta Nigra als Kirche dargestellt.



Doch der beste Rekonstruktionsversuch
befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Trier,
nicht im Stadtmuseum Simeonsstift.



Das untere Geschoss der Porta Nigra war dabei komplett zugeschüttet
und durch eine große und breite Freitreppe verdeckt.

Man hatte sie in zwei übereinander liegende Kirchenräume geteilt,
wobei der obere komplett neu errichtet
und der höhere Turm der Porta Nigra 
mit einem noch höheren Kirchturm mit Dach versehen wurde.



Auf dem Ostchor war noch eine Apsis aufgesetzt,
die heute - wie die gesamte Oberkirche - nicht mehr erhalten ist.




Hier nochmals der genaue Vergleich mit der Porta Nigra von heute:

Das oberste Geschoss des zweiten Turms - hier rechts im Bild -
ist wohl für den Kirchenbau abgetragen worden,
denn es ist davon auszugehen,
dass die Römer diesen ebenso hoch wie den linken aufgeführt haben.




Diese beiden Durchgangstore waren im Mittelalter
von der großen Treppe völlig verdeckt
und der Raum dazwischen wurde wohl
als Krypta für das Grab des Hl. Simeon genutzt.



Die beiden Obergeschosse dienten als Unterkirche ...



... die innen so breit war wie der heutige Zwischenraum
zwischen beiden Stadttoren ...



... und so lang wie der Abstand zwischen den beiden Türmen.




Auch befand sich gleich neben der großen Treppe
eine kleine Kapelle, die heute ebenfalls nicht mehr existiert.



Hier nochmals der ganze Komplex des Simeonsstiftes,
wie er sich um 1500 präsentiert hat.

Die nun folgenden Rundbogenfenster
befinden sich im Modell im Verbindungsgebäude 
zwischen der Porta Nigra-Kirche und dem Nordflügel des Kreuzgangs ...



... und sind wegen der momentanen Renovierung
der Westseite der Porta Nigra etwas beeinträchtigt.



Doch an dieser Seite lassen sich die grazilen Mittelsäulen ...



... und die zweifärbig gestalteten Arkaden gut erkennen.



Diese setzen sich im östlichen Kreuzgang fort, ...



... sind aber nur noch außen in Weiß und Rot erhalten, ...



... von innen gesehen sind sie komplett verputzt.



Hier nun der Blick vom Ost- auf den Süd- und Westflügel.



Am ehesten noch original erhalten ist der Südflügel, ...



...der sich bereits nach Westen hin abgesenkt hat ...



... und dessen Bogenreihen sich teilweise nach innen neigen,
wie auf diesem Foto zu sehen ist.



Hier sind sicher nur noch wenige Säulen
vom ursprünglichen Kreuzgang erhalten,
die meisten - helleren - sind bereits erneuert worden.



Alle drei noch erhaltenen Kreuzgangflügel
sind mit flachen Holzdecken gedeckt ...



 ... und mit alten lebensgroßen Statuen bestückt.



Hier der Blick vom West- 
auf die beiden anderen Kreuzgangflügel,
 der Innenhof wird immer wieder gerne
für Veranstaltungen genutzt.



 Wie bereits gesagt befindet sich der Kreuzgang im 1. Stock, 
wo sich früher auch der Eingang zur Stiftskirche befand.



Darunter lagen Personal- und Wirtschaftsräume.




 Im Westflügel gibt es heute auch ...



... den zweiten Zugang zum Innenhof ...



... bzw. zum Stadtmuseum Simeonstift.



Diese massiven Bögen stammen 
sicherlich auch noch aus romanischen Zeiten.



Im 18. Jhdt. hat man die Arkaden 
im Ost- und Südflügel zugemauert
sowie jene vor dem Nordflügel abgebrochen, 
um Platz für Wohnungen der Stiftsherren zu schaffen.

Ende des 19. Jhdts. musste auch der Westflügel
mitsamt der dortigen Nikolauskapelle weichen.



Somit ist nun auch ausführlich erklärt, ...



... warum das besterhaltene römische Gebäude nördlich der Alpen,
das im 1. Jhdt. n. Chr. noch im damaligen
 "Augusta Trevorum" entstanden ist,
auch Eingang in diesen Romanik-Blog gefunden hat.





Absolut sehenswert!



Wenn auch weiterhin 

den Wenigsten bekannt sein dürfte,

dass die Porta Nigra einmal eine Kirche war.
 










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen