Sonntag, 2. September 2018


Frankreich, Toulouse (Haute-Garonne):
Basilika Saint-Sernin, 1077 - 1119 erbaut



 Mitten im Zentrum von Toulouse steht diese Basilika,
die heute das Wahrzeichen der Stadt ...



... und die größte erhaltene romanische Kirche
von ganz Frankreich ist.


 
Ihre Größe ist in ihrer Funktion
als Pilgerkirche auf dem Jakobsweg begründet:


 

Ihre Gesamtlänge beträgt 115 m,
die Querhaustiefe 64 m,
die Höhe des Mittelschiffs 21 m
und die Breite des Langhauses 32,5 m.   



Es ist also gar nicht so einfach, 
sie ganz aufs Bild zu bekommen.



Ihr einzigartiger Kirchturm
ist für Toulouse charakteristisch.



Die Ostseite der Basilika
enthält die älteste Bauteile aus dem 11. Jhdt.



Hier gibt es fünf Kapellen bzw. Apsiden
allein am Chorumgang ...



... sowie jeweils zwei an jedem der beiden Querhäuser,
macht also ingesamt neun.



Der Chorumgang wird von einem halbrunden Tambour mit Fenstern überhöht.



Hier seine Blendsäulen und das reich verzierte Fries
unter dem Dach aus der Nähe.



Die mittlere Kapelle bzw. Apsis
ist die größte und weist hübsche Muster auf.



Die kleineren Seitenkapellen
sind nicht so aufwändig gestaltet.



Die Apsiden der beiden Querhäuser ...



... sind genauso groß und genauso dekoriert
die die kleinen des Chorumgangs.



Der Glockenturm ist achteckig,
sitzt genau über der Vierung
und trägt das Geläut der Kirche.



Seine unteren drei Etagen stammen
aus dem 12. Jhdt., die oberen zwei
wurden im 14., der Spitzhelm im 15. Jhdt. hinzugefügt.



Hier nochmals ein Blick auf den ältesten Teil
von Saint-Sernin, das über einer
älteren Kirche aus dem 4. Jhdt. errichtet wurde,
in der die Reliquien des Hl. Saturninus aufbewahrt wurden.

Sernin ist übrigens
die volkstümliche Verkürzung von Saturninus,
einem der ersten Bischöfe von Toulouse,
der 250 den Märtyrertod starb.



An der Südseite taucht als Nächstes ...



... am Ende des südlichen Querhauses
ein erstes romanisches Doppelportal,
die so genannte "Porte des Comtes" auf ...



... mit jeder Menge skulptierter Reliefs.



Im Zwickel über beiden Portalen
sind diese Löwen zu sehen.



Jedes Portal hat je zwei Blendsäulen links und rechts
mit skulptierten Kapitellen.

Hier sind links die Sünden "Luxus" und rechts "Gier" dargestellt.



Hier rechts Moses, der in seinem Gebet von Aaron und Hour Beistand erhält.

Links eine nackte Frau, die von zwei Schlangen gebissen wird,
die wiederum von zwei anderen Frauen gehalten werden
- eine Metapher darauf, was luxuriösen Frauen widerfahren wird.



Links die Legende des bösen Reichen und des armen Lazarus,
rechts wird die Seele des Lazarus von zwei Engeln in den Himmel erhoben.



Hier links nochmals Moses im Gebet mit Aaron und Hour,
rechts ein Mann, der von zwei Drachen attackiert wird.




Links neben der "Pforte der Grafen"
befindet sich diese Nische mit Steinsärgen auf "Stelzen".




Das Querhaus ...



... ist genau so hoch wie die Seitenschiffe.



Hier nochmals der markante Turm.




Das südliche Langhaus und Seitenschiff
sind mit 115 m wirklich ungewöhnlich lang.



Durch das alte Portal der früheren Kirche,
das nun in die Umzäunung eingebaut ist, ...



... gelangt man zum Südportal,
der so genannten "Porte de Miègeville".



Sie ist heute der Hauptzugang zur Basilika ...



... und wurde um 1100 aus weißem Kalkstein gestaltet.


 

 Der Türbalken zeigt die zwölf Apostel, ...



... darüber ist die Auferstehung Christi zu sehen,
der dabei von sechs Engeln unterstützt wird.



Daneben sind die Apostel Jakobus Petrus dargestellt.



Auch hier sind die Säulen skulptiert:

Links das Massaker an den Unschuldigen,
rechts die Ankündigung an Maria.



 Hier links die Erbsünde, 
die der Vertreibung aus dem Paradies voranging, 
rechts zwei Löwen.


 

Dies ist die "Erbsünde" nochmals aus der Nähe betrachtet.



Im Türsturz sind links König David
und rechts zwei Männer mit Löwenköpfen zu sehen.



Der Großteil der Kirche ist - wie die "Ville Rose",
also Toulouse selbst, aus rosafarbenen Ziegeln erbaut.



An der Westseite schließt ein massiver Baublock ...



... aus dünkleren Ziegelsteinen an.



Dieser Westteil wurde als Letztes
und fast ohne Verwendung von Stein errichtet.



Nur das unterste Geschoss weist helle Steine auf.



Die Westfassade wurde erst 1929 vollendet ...



... und hat ein doppeltes Westportal
mit fünf romanischen Rundbögen darüber.




Über dem Portal ist ein Stück Fries zu sehen
mit skulptierten Konsolsteinen.



Auch hier sind alle Kapitelle ...



... mit Figuren und floralen Ornamenten versehen ...




... wie dieser "Rufer" beweist.



Die Westseite wird von einem großen Rundfenster
aus der Neuzeit geziert, ...




... das wesentlich größer ist
als alle anderen Fenster des Westriegels.



Hier die Nordseite der fünfschiffigen Basilika ...



... an der die vier Bauphasen gut erkennbar sind:



Je mehr heller Stein verwendet wurde, ...



... umso älter ist dieser Bauteil.



Der imposante Vierungsturm
ist übrigens leicht nach Westen geneigt.



Am nördlichen Querhaus ...



... wurde schon relativ viel Kalkstein verwendet, ...



... im Ostteil, der der älteste Teil ist,
am meisten, dieser ist auch am hellsten.



Die Apsiden weisen nur zwischen ihren Blendsäulen Ziegelsteine auf.



Wieder zurück am Ausgangspunkt ...



... hier eine Übersicht über die heute abgegangenen Gebäude:

Nur noch die schwarz eingezeichneten Bauten stehen,
der Kreuzgang im Süden (rot) und weitere dazugehörige Bauten
wurden nach der Revolution abgerissen.


 

Dafür wurde um Saint-Sernin ein großer Platz frei gemacht,
der die Basilika optimal zur Geltung bringt
und von hübschen Häusern gesäumt ist.



Innen macht Saint-Sernin ...



... jedenfalls einen imposanten Eindruck ...



... mit seinen vier Seitenschiffen ...



... und dem hohen, tonnengewölbten
Mittelschiff.



Zwei gewaltige Triumphbögen ...



... tragen den Vierungsturm darüber, ...




... der innen eine Kuppel ausbildet.


 
Die Vierungspfeiler wurden nachträglich verstärkt,
als der Turm Mitte des 13. Jhdts. aufgestockt wurde.



Die Altarweihe fand übrigens bereits 1096 statt,
also 22 Jahre vor der Fertigstellung der Basilika.



Der Hochaltar ...



... und das Christusbild in der Apsiskulotte darüber
sind bereits Werke aus der Neuzeit.



An der Westseite ist seit 1888 die Orgel
über dem Portal eingebaut.



Diese ist eine der bedeutendsten Orgeln
des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll.



Leider ist der Altarbereich abgesperrt, ...



... doch ein Blick auf die herrlichen Emporen
in der Etage darüber ist möglich.




Die Biforien deser Emporen ...



... sind so hoch wie das gesamte erste Stockwerk ...



... und setzen sich in beiden Querhäusern ...




... und im gesamten Langhaus fort.




Die Biforien sind alle ...


 
... reich und z.T. unterschiedlich dekoriert.



Auch die Kämpfer unter den Diensten ...



... haben Figurenschmuck und stellen verschiedene Szenen dar.



Der Kircheninnenraum hat übrigens 260 plastische Werke,
von denen viele aus der Zeit um 1100 stammen.



Saint-Sernin hat auf jeder Seite des Langhauses zwei Seitenschiffe, ...




... was der Basilika Größe und Würde verleiht.



Der Altarraum ist erhöht und die Altarplatte
von Bernardus Gelduinus entstand vor 1096.

Mit diesem Bildhauer begann eigentlich
die monumentale Skulptur der Hochromanik.



Die reich skulptierte Mensa aus weißem Marmor
hat die Größe 2,23 × 1,34 m.




Außen am Chorumgang
befinden sich in den kleinen Apsiden ...



... zahlreiche Kapellen.




Auch die große Mittelapsis
dient als Kapelle.



In den kleinen Kapellen sind bereits ...



... einige Reliquienschreine zu sehen.



Doch die meisten befinden sich ...



... in der Krypta unter dem Altarraum, ....




... die zahlreiche weitere Kapellen beherbergt.



Hier die Kapelle der Heiligen
Philippus und Jakobus ...



... und hier die Kapelle,
die eine Reliquie des Hl. Dorns beinhaltet.




Einige Kapellen bestehen nur aus schlichten Wandnischen, 
in die die Reliquienschreine hineingestellt sind ...



... wie hier die Kapelle des Hl. Edmund.



Andere Reliquienschreine sind in Safes gestellt ...



... und indirekt beleuchtet ...



... wie hier der Reliquienschrein
 in der Kapelle des Hl. Gilles.



Dieser Silberschrein beinhaltet
sterbliche Überreste des Hl. Honorius.




Doch der kulturhistorisch wertvollste Teil
aus romanischen Zeiten ...



... ist unter diesem herrlichen Gewölbe ...



... an der Außenseite der erhöhten Mauern
der Krypta zu finden.



Es sind dies sieben Reliefs aus hellem Marmor
aus dem ausgehenden 11. Jhdt.,
die der Bildhauer Bernard Gilduin geschaffen hat.



Sie zeigen in der Mitte den
majestätischen Christus in der Mandorla ...



... flankiert von vier Engeln und zwei Aposteln.

Es handelt sich um die erste großdimensionale Figurenplastik der Romanik.




Hier einer der beiden Apostel.

Charakteristisch ist die streng frontale Haltung,
die Köpfe sind teilweise im Profil gegeben.

Als Vorbilder dienten gallisch-römische Grabstelen.



Die Kreuzgewölbe im Chorumgang ...




... sind z.T. bemalt ...



... und die Säulen haben herrliche Kapitelle ...




 ... die wie hier z.B. mit Tiermotiven gestaltet sind.



Im nördlichen Querhaus sind diese beiden
alten Exponate ausgestellt.

Hier oben eine frühere Altarplatte, ...



... hier ein frühchristlicher Sarg aus um 500 n. Chr.,
von dem man abnimmt, dass er
vom Grafen von Toulouse Giullaume Taillefer stammt.



Nun auch ein Blick in zwei Kapellen, 
die sich in den Apsiden des Querhauses befinden.



Von einem der schlanken Seitenschiffe ...



... geht es noch einmal ins Mittelschiff ...



... und dann wieder hinaus auf den
großzügigen Platz um die Basilika.



Der hohe Kirchturm ist selbst
von der bekannten Rue du Taur
noch gut zu sehen.



Saint-Sernin ist nicht nur
seit 1838 "Monument Historique", ....



... sondern zählt als Bestandteil des französischen Jakobsweges 
von Arles nach Santiago de Compostela
seit 1998 auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.





Absolut sehenswert!









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen