Donnerstag, 12. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Mausoleum des Theoderich, um 520 errichtet.



Das Mausoleum ist die Grablege des ostgotischen Königs Theoderich,
genannt der Große. 

Das ungewöhnliche Bauwerk, das er vermutlich für sich 
und die engsten Vertrauten seines Hofstaats nahe dem Meer
auf dem Friedhof der Goten-Vorstadt hatte errichten lassen, 
gilt als herausragendste Bauleistung der Ostgoten in Italien.



Theoderich war dem Glaubensbekenntnis nach ein Arianer. 

Als 540 die Byzantiner unter General Belisar Ravenna eroberten 
und damit der orthodox-katholische Klerus dort die Oberhand erhielt, 
wurden die Spuren Theoderichs und des Arianismus nach Möglichkeit beseitigt. 

Der Kampagne fiel auch der Sarkophag Theoderichs zum Opfer.



Das Mausoleum hat einen zehneckigen symmetrischen Grundriss 
mit einem Kantenabstand von ca. 4,4 m ...



... und besteht aus zwei Geschoßen,
wobei das obere nur durch eine Außentreppe erreichbar ist.



In der Außenmauer befinden sich zehn Bogennischen, 
die eine Grundfläche von je 2,45 m mal 1,75 m haben,
eine der Nischen enthält die Eingangstür zum Gruftraum.

Heute nimmt man an, dass in diesen Nischen früher
die Statuen der im Mausoleum bestatteten Persönlichkeiten aufgestellt waren.



Die Symmetrieachse des Gebäudes ist grob gesehen 
von Westen nach Osten ausgerichtet
mit 10° Abweichung Richtung Norden.



Das Baumaterial ist sogenannter istrianischer Kalkstein, 
der vermutlich aus einem Steinbruch 
in der Nähe der heutigen Ortschaft Vrsar in Kroatien stammt.



Das Erdgeschoss beherbergt den Gruftraum des Mausoleums, der heute leer ist. 

Dieser weist innen drei je ca. 3,5 m breite und etwa 2 m tiefe 
und kreuzförmig zueinander angeordnete Nischen 
für die Aufnahme von Sarkophagen auf.


 
In der vierten Nische befindet sich die Eingangstür.



Das Kreuzgratgewölbe darüber wurde aus passend behauenen Steinblöcken 
und ohne Fugmörtel aufgemauert.



Zum stark zurückliegenden Obergeschoss
gelangt man heute über eine Außentreppe, 
die erst 1927 angebaut wurde 
und auf eine um das Gebäude verlaufende Veranda führt. 



Diese hat eine Breite von etwa 1,3 m
und war - laut heutiger Lehrmeinung - früher mit Bronzegittern versehen.

Diese und andere Teile soll Karl der Große aus Ravenna entwendet 
und in seiner Aachender Pfalzkapelle weiter verwendet haben.



Wenn man von der kleinen Brücke zum Obergeschoß geht,
fällt als erstes das klobige, steinerne Rechteck auf, 
das von außen die innen befindliche Altarnische abdeckt.



Die Eingangstür ist genau 
über der Eingangstür des Untergeschosses angeordnet.

Das ebenfalls zehneckige Obergeschoss 
beherbergt einen Kapellenraum mit rundem Grundriss.



In der Ostwand befindet sich eine Nische mit einem Altar.



An der Decke des Kapellenraums ist in der Mitte der Dachkuppel
 ein von einem Kreisring umgebenes Kreuzsymbol aufgemalt,
links daneben zieht sich ein Sprung durch die gesamte Steindecke..



Im Zentrum steht eine wuchtige, ca. 1,5 m breite, 1 m hohe 
und ursprünglich etwa 3 m lange Wanne aus Porphyr
mit schrägen, innen und außen polierten Wänden.

Heute ist man wieder davon abgekommen,
diese für den ehemaligen Sarkophag Theoderichs zu halten.



Bemerkenswert ist die runde Dachkuppel von ca. 11 m Durchmesser, 
2,5 m Höhe, ca. 1 m Dicke und rund 230 t Gewicht, 
die aus einem einzigen Naturstein-Block hergestellt wurde.

Sie weist zwölf Kragsteine auf, 
auf deren Frontseiten die Namen von acht Aposteln 
und vier Evangelisten eingraviert sind.



Um das Jahr 1000 wurde das Mausoleum Teil eines Benediktinerklosters
und das Obergeschoss wurde von den Mönchen als Oratorium genutzt.

Weil an das Mausoleum, das damals noch hart am Meer lag,
ein Leuchtturm angebaut worden war,
wurde das Kloster "Sta. Maria ad farum" genannt.

Vom Leuchtturm, der einen viereckigen Grundriss hatte,
gibt es seit dem 12. Jhdt. keine Spuren mehr.

Das Kloster wurde im 17. Jhdt. zerstört
und bis zur Hälfte des 18. Jhdts. wurde das Mausoleum dermaßen vernachlässigt,
dass der Gruftraum aufgrund von Überschwemmungen halb verschüttet wurde;
 er wurde erst 1918 – 1919 wieder ganz freigelegt.



Bei den Ausgrabungen traten in der näheren Umgebung des Mausoleums 
antike Mauerreste und andere Relikte zutage, 
darunter ein goldverzierter Brustharnisch.



Heute scheint das Gelände um das Grabmal
ein Erholungspark und Ausflugsziel der Bewohner Ravennas zu sein.








Dienstag, 10. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Baptisterium der Arianer, Ende 5. Jhdt.



Unweit der Basilika dello Spirito Santo ist diese Taufkapelle zu finden.
die gegen Ende des 5. Jhdts. errichtet worden ist,
als Theoderich der Große in seiner Herrschaft bestärkt
und der Arianismus offizielle Hofreligion wurde.



Im Vergleich zum Baptisterium Neonianum der Kathedrale 
ist es einfacher und in schlechterem Erhaltungszustand.



Das achteckige Gebäude mit vier Apsiden 
liegt heute wegen des in Ravenna seit der Antike 
sehr stark ansteigenden Bodenniveaus ca. 2,25 m unter diesem.



Berühmt ist das Baptisterium vor allem, 
wie viele andere byzantinische Bauwerke Ravennas,
für seine Wand- und Deckenmosaike in seinem Inneren.



Dort blieb nur die Mosaikdekoration der Kuppel erhalten,
die sehr stark der des Baptisteriums der Kathedrale Ravennas ähnelt
und diesem wohl als direktes Vorbild diente.



Im zentralen Medaillon wird die Taufe Christi im Jordan dargestellt,
darum herum die Apostel in weißen Gewändern und durch Palmen getrennt.



Der Heiland, vollkommen nackt, wird vom Hl. Geist in Form einer Taube getauft,
gleichzeitig gießt ihm Johannes der Täufer Wasser über das Haupt.

Die dritte Figur, ein grünes Sumpfrohr haltend, symbolisiert den Fluss Jordan.








Samstag, 7. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Turm der Kirche S. Giovanni Battista, 
vor 9. Jhdt. erbaut.



Es sieht schon ziemlich ungewöhnlich aus,
wenn ein über 1.000 Jahre alter Turm 
gleich neben einer barocken Westfassade steht.



Der romanische Campanile von S. Giovanni Battista
hat mehrere Reihen mit ein-, zwei- und dreibogigen Fenstern.



Er ist zur Gänze aus Ziegeln erbaut 
und wurde nur immer wieder erneuert.



Nach der Zerstörung wurde das Gebäude 1683 von Pietro Grossi wieder aufgebaut,
einem der aktivsten Architekten der zweiten Hälfte des 17. Jhdts. in Ravenna.



In der Basilika selbst sind eine neapolitanische Krippe
und eine wertvolle Sammlung von Gemälden von Künstlern aus Ravenna ausgestellt,
die zwischen das 15. und 18. Jhdt. datierbar sind.

Leider war sie zugesperrt.






Donnerstag, 5. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Kirche Sta. Croce, zwischen 417 und 421 
oder knapp nach 425 erbaut.



Wie auch die Kirche S. Giovanni Evangelista und das nahe Mausoleum 
wurde diese Kirche unter der Kaiserin Galla Placidia erbaut. 



Sta. Croce blieb bis ins 14. Jhdt. unverändert,
dann wurden ihre Seitenarme abgetragen
und Ende des 16. Jhdts. auch einige Joche und die Vorhalle im Westen,
um einer Straße Platz zu machen.



Ursprünglich war nämlich das Mausoleum der Galla Placidia eine Kapelle
und am nicht mehr existenten Narthex von Sta. Croce angebaut.

Hier eine Skizze, wie diese Vorhalle ausgesehen haben könnte, ...



... die diese Kirche mit dem Mausoleum verbunden hat.



Heute ist im Inneren der Kirche, die leider nicht zugänglich ist,
angeblich nur noch dieses eine Mosaik erhalten,
das den triumphierenden Christus zeigt.







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Dienstag, 3. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Turm der Kirche Sta. Maria Maggiore, 9. oder 10. Jhdt.



Unweit von der Kirche San Vitale 
und vom Mausoleum der Galla Placidia ...



... ist diese Kirche gelegen, mit deren Bau 521 
unter Bischof Ecclesio begonnen und die 534 geweiht wurde.



Der zylindrische Campanile an ihrer Südwestseite
entstand hingegen erst im 9. oder 10. Jhdt.



 Sein  letztes Stockwerk weist Biforien 
mit weißen, marmornen Mittelsäulen auf.



1671 wurde das Kirchenschiff unter dem Architekten Pietro Grossi rekonstruiert,
der an das bis dahin bestehende Haupt- noch zwei Seitenschiffe fügte.



Dabei wurden die korinthischen Säulen 
der ursprünglichen Kirche wieder  verwendet.



Leider aber hat die Apsis ihre typisch romanische Form
sowie das früher bestehende Mosaik mit seinem Marienbildnis eingebüßt.









Sonntag, 1. Mai 2016


Italien, Ravenna (Emiglia Romana):
Mausoleum der Galla Placidia, 
zwischen 425 und 430 erbaut.



Dieser über 1.500 Jahre alte Ziegelbau in Kreuzesform
war ursprünglich durch eine Vorhalle an die Kirche Sta. Croce angebaut
(im Bild oben das hellere Gebäude links im Hintergrund).




 Heute sind die beiden Bauwerke auch durch eine Straße getrennt.



Somit ist das sogenannte Mausoleum der Galla Placidia
vom Areal der Basilika San Vitale (s. links im Hintergrund)
zu erreichen und nicht von Sta. Croce aus.



Die Gliederung des Baues besteht lediglich aus Blendbögen und Lisenen, 
die hier zum ersten Mal in der Architekturgeschichte auftreten 
und später in der lombardischen Architektur häufig aufgegriffen wurden.



Unter dem viereckigen, zentralen Ziegeldach befindet sich eine Kuppel.



 Der Boden des Mausoleums liegt heute 
1,5 m unter dem normalen Straßenniveau.

Der Tradition gemäß wurde das Mausoleum 
als Grabstätte der Kaiserin Galla Placidia, 
der Tochter von Kaiser Theodosius dem Großen,
von dieser selbst zwischen den Jahren 425 und 430 erbaut.



Hier der einfache Zugang ...



... sowie der Grundriss des Mausoleums.



Berühmt ist es vor allem durch die Wandmosaiken im Inneren,
die ausgezeichnet erhalten sind
und die ältesten Mosaiken Ravennas darstellen.

Diese bedecken die gesamte Fläche des Gewölbes und der zentralen Kuppel
sowie die Wände an den Seitenenden der vier Flügel.



Die Kuppel in der Mitte des Kreuzes hat einen Durchmesser von 4,4 m.



Die Sockelzone besteht aus gelbem Marmor.


 
Die Decke stellt ein tiefblaues Himmelsgewölbe 
mit weiß-goldenen Sternen dar. 



Die Sterne in den Tonnengewölben gelten 
als die schönsten Sterndarstellungen der Spätantike.



Hier ist im Bogenfeld das Mosaik der Hl. Laurentius zu sehen
samt dem Bratenrost (unter dem kleinen Fenster), 
auf dem er als Märtyrer gegrillt wurde:

Ihm war diese Kapelle früher geweiht.

Darunter der Sarkosphag, der Galla Placidia zugesprochen wird,
obwohl man mittlerweile kaum davon ausgeht,
dass sie wirklich darin begraben ist, da sie 450 in Rom starb.



Dieser Sarg wird Costanzo III., dem Gemahl von Galla Placidia, zugeordnet ...



... und dieser reich verzierte Steinsarg Valentiniano III., 
ihrem Sohn, der später Imperator wurde.

Heute ist man sich allerdings nicht sicher,
ob überhaupt jemand und wenn, wer tatsächlich hier bestattet ist.



Sieben schmale Fenster aus Alabaster 
tauchen das Innere in ein mystisch-goldenes Licht.



Über dem Eingang ist ein jugendlicher bartloser Jesus dargestellt, 
der als guter Hirt seine Schafe weidet und eines liebevoll streichelt, 
während er gleichzeitig ein goldenes Kreuz hält, 
als Zeichen der Hoffnung und Symbol für die Überwindung des Todes.



Neben den Alabasterfenstern unter der Kuppel
sind acht Männergestalten zu sehen, von denen man annimmt,
dass es sich um Apostel handelt.




Auf jeden Fall ansehen!