Sonntag, 24. Dezember 2017


Italien, Ghilarza (Sardinien, Provinz Oristano):
Kirche San Pietro di Zuri, 1291 fertig gestellt



Diese späteste aller romanischen Kirchen Sardiniens
ist in Zuri zu finden, einem Ortsteil Ghilarzas.



Als 1923 der Stausee Lago Omodeo am mittleren Tirso 
der Vollendung entgegenging, musste die Ortschaft Zuri
dem zu dieser Zeit größten künstlichen See Europas weichen.



Die aus rotem Trachyt errichtete Pfarrkirche zerlegte man 
und setzte sie auf der Hochfläche 
am Ortsrand des neuen Ortes Zuri wieder zusammen.



Aus der Gründungsinschrift von San Pietro geht hervor, 
dass die von einem "Anselmo di Como" 
erbaute Kirche im Jahre 1291 fertig wurde. 

Wie sich bei der Versetzung der Kirche herausstellte, 
hatte er sie allerdings ohne Fundamente errichtet. 

Das hatte zur Folge, dass die Apsis bereits im 14. Jhdt. 
erneuert werden musste. 

Ihre Dachhalbkugel wurde beibehalten,
während die Wände nach katalanischer Manier 
in Form eines halben Hexagons ausgeführt wurden.



Die Entstehung San Pietros in spätromanischer/frühgotischer Zeit
wird durch die Helligkeit des Innenraums, die weiten Kleeblattfenster 
und die Raumauffassung des gestreckten 
einschiffigen Baukörpers augenfällig.



Länge und Breite stehen im Verhältnis von etwa 4:1 (7,5 × 26,9 m),
bei romanischen Kirchen waren allerhöchstens Werte von 3:1 üblich. 

Im Jahre 1830 musste diese Südwand, 
die sich nach außen geneigt hatte, übrigens neu gebaut werden.



Die knolligen, gotischen Kriechblumen 
ähnelnden Akanthusblätter, ...



... die die Kapitelle und Gesimse wie hier am Südportal zieren, 
bestätigen die zeitliche Einordnung.



Ansonsten war der Baumeister dem romanischen Stil verhaftet:

Die hohen vollkommen romanischen Blendarkaden der Seitenwände 
sind mit den pisanischen, „alla lombarda“ geformten Bögen
an der Südwand von San Nicola in Ottana vergleichbar.



Einige der Kapitelle der Blendarkaden ...



... weisen auch figürlichen Reliefschmuck auf.



Anselmo di Como war eher Bildhauer als Baumeister, 
denn in seinen Skulpturen, die auch im Rahmen 
der lombardischen Plastik des Festlandes bedeutsam sind, 
zeigte er größeres Können. 



Seine lombardische Herkunft verrät die Westfassade, 
deren glattes Oberteil, 
früher mit einem Zwillingsfenster aufgelockert, 
massig auf den drei Arkaden lastet. 



Diese sind, noch mehr als die Blendbögen der Seitenwände, 
nach lombardischer Art tief eingeschnitten 
und für eine kräftige Schattenwirkung strukturiert.



Dies zeigt besonders das Reliefband im Bereich des Architravs, 
das Petrus, Maria mit Kind, 
die Apostel und eine kniende Klosterfrau zeigt. 
 


Die kugeligen Figuren mit ihren kräftigen Grundformen, ...



... auf denen die Details nur als Ritzungen ausgeführt sind,
erinnern sehr an gnomenhafte Formen.


 
Von Anselmo stammt auch der sardische Rundtanz
(ballo sardo oder su ballu tundu)
am rechten hinteren Eckpfeiler.



Hier ist ein Mensch mit Hunden und Löwen zu sehen, ...



... hier nur ein Kopf mit schemenhaften Ritzungen.



Auffälligster Teil der Fassade 
ist der angefügte Glockengiebel. 



Dieser schließt etwas eigenwillig 
ans Kirchenschiff an.



 Auch dieser ist mit Reliefs verziert ...



... wie dieser Figur ganz oben,
die den Hl. Petrus mit seinem Schlüssel darstellt, ...



... sowie diesen alten Mann mit einem Hirsch darunter.



Die Nordseite von San Pietro di Zuri
ist wiederum nur mit Blendarkaden verziert.



Auch sie hat ein Portal, das eher schlicht ist.



Innen ist die Kirche mit Holz 
auf Eisentraversen gedeckt.



Die Seitenwände sind schlicht und schmucklos ...



... und nur durch je zwei größere Fenster 
pro Seite unterbrochen.



Die außen sechseckige Apsis ...



... ist innen wieder rund gestaltet.

Auffällig sind die beiden Fensterrosetten
links und rechts oberhalb des frühgotischen Mittelfensters.



Vom Baumeister aus Como stammt auch
die rechte Knotensäule mit Blattkapitell 
der gotischen Nische der Apsis,
die linke ist eine spätere Nachempfindung.



Beide Seitenportale sind innen unauffällig.



Diese Taufschale hat einen hölzernen Aufsatz.





Sehenswert!








Donnerstag, 21. Dezember 2017


Italien, Ghilarza (Sardinien, Provinz Oristano):
Kirche San Palmerio, 1. Viertel 13. Jhdt.




Am Nordwestrand und der höchsten Stelle des Ortes ...



... wurde diese mehrfärbige Kirche 
aus Vulkansteinen aus der Region ...



... von Wanderarbeitern aus Pisa
auf einem Vorgängerbau errichtet.

Die Westfassade präsentiert sich fast noch im Originalzustand
mit einem Campanile, der im 20. Jhdt. adaptiert wurde.



Im 17. Jhdt. wurde die Kirche
 unter der Bruderschaft des Rosenkranzordens
in ein Oratorium umgewandelt
und der Madonna vom Rosenkranz geweiht,
bis sie 1750 wieder dem sardischen Märtyrer
San Palmerio gewidmet wurde.



Ursprünglich war San Palmerio einschiffig
mit einer Ostapsis als Abschluss konstruiert.

Im 17. und 18. Jhdt. wurde es modifiziert:

Statt der Ostapsis wurden drei quadratische Räume angebaut,
sodass sein Grundriss heute eine Kreuzform hat.



Hier das vermauerte Rundbogenportal
zum Nebengebäude nördlich der Kirche.



Im rechten Querschiff befindet sich
die Reliquien des heiligen Märtyrers Palmerio.



Am selben Platz - nämlich der Piazza di San Palmerio -
steht außerdem dieser "Torre Arragonese",
der heute Teil eines Kunstmuseums ist.








Dienstag, 19. Dezember 2017


Italien, Siete Fuentes (Sardinien, Provinz Oristano):
Kirche San Leonardo, 12. Jhdt.



In einem Park mit uralten Steineichen und Pappeln ...



... ist diese romanische Kirche aus dem 12. Jhdt. zu finden.



Sie wurde später gotisch umgebaut
und im 13. Jhdt. durch ein Klosterhospital 
 des "Jerusalem-Ordens" der Johanniter ergänzt.



Das fast fensterlose Äußere besteht 
aus moosbewachsenem, porösem Trachyt, ...



... rundum laufen Rundbögen ...



... und ein Schmuckfries, ...



... bei dem der Farbwechsel zwischen Weiß und Grau
gezielt eingesetzt worden ist.



Das Nordportal scheint 
unlängst renoviert worden zu sein.



Dabeí sind auch diese Portalfiguren gereinigt oder erneuert worden.



Die Westseite ist ebenfalls eher schlicht gehalten ...



... und weist zwei Rundbogenportale auf.



Auch hier sind noch einige Steinreliefs zu sehen.



 Der Grundriss der Kirche ist rechteckig
mit einer quadratischen Apsis im Osten,
die allerdings erst während der Gotik angefügt wurde.



Das Innere ist düster, schmucklos
und besitzt Bögen sowie eine Holzdecke.  



Neben der Kirche 
ist noch das ehemalige Hospiz zu sehen, ...



... in dem heute Ferienwohnungen untergebracht sind.



Auch die Südseite hat ein Portal, ...



... ein zweites daneben 
ist inzwischen vermauert worden.



Aus Siete Fuentes (zu Deutsch: Sieben Quellen) 
sprudelt übrigens Mineralwasser. 

An der Straße werden Wasserkanister 
zum Abfüllen des wertvollen Nass' verkauft, 
dem Heilwirkung nachgesagt wird.