Samstag, 25. November 2017


Italien, Ardara (Sardinien, Provinz Sassari):
Kirche Santa Maria del Regno, 1107 geweiht



 Diese angeblich "sardischste"
aller romanischen Kirchen auf der Insel ...



... steht auf einem kleinen Plateau einer Hochebene.



Sie wurde im Jahre 1107 geweiht ...



... und wird auch "Der schwarze Dom" genannt,
was bei dieser Aufnahme gut nachvollziehbar ist.

Ihren Beinamen verdankt die Kirche 
dem dunklen rostfarbenen Trachytmauerwerk.



Der Namensteil „del Regno“ verweist auf die Bedeutung der Kirche
als Palastkapelle für das Judikat Torres, dessen Residenz Ardara war.

Hier heiratete im Jahr 1238 Enzio, der Sohn des Staufers Friedrich II.,
Adelasia (1219 – 1259), die Erbin der Judikate Torres und Gallura,
weshalb er sich später König von Sardinien nannte.



Die Kirche ist deutlich das Werk eines einzigen, 
jedoch unbekannt gebliebenen Architekten, 
ein in der mittelalterlichen Baukunst seltener Fall. 



Der Baumeister war Vertreter der lombardischen Strömung
innerhalb der pisanisch-toskanischen Schule des 11. Jhdts.

Die Verwandtschaft Santa Maria del Regnos mit pisanischen Vorbildern 
offenbart sich in der Gestaltung des Prospekts mit dem Zwillingsfenster, 
in den stark gestelzten Rundbögen über den Portalen 
und in den langen Blendbogenfriesen auf stark vorstehenden, 
zumeist einfach modellierten Kragsteinen. 



Lombardische Stilmerkmale, die Vorliebe für kräftige, 
in sich schlüssige, klare Formen bei Abneigung 
gegen einen sich in Details verzettelnden Stil
sind auf Sardinien bereits von San Gavino in Porto Torres bekannt.


Der Baumeister von Santa Maria del Regno 
unterwarf ihr konsequent die gesamte Gestaltung.



Mit seinem kompakten, klotzigen Aussehen 
und der Zurückführung der meisten Details auf kubische Grundformen 
strahlt der Schwarze Dom Wuchtigkeit und Ernsthaftigkeit aus, 
die in dieser Massierung weit 
über die zeitgenössischen Vorbilder hinausgehen.



Hier der Grund- und Seitenriss dazu.

Die starke Persönlichkeit des Baumeisters von Ardara 
wird auch dadurch erkennbar, dass er der einzige Sarde war, 
der weitere Kirchenbauten auf der Insel
(San Nicoló di Trullas, 2. Bauphase von San Pietro
und Santa Maria in Bonarcado und San Nicola in Ottana)
und auf dem Festland beeinflusste 
(Rigoli bei Pisa und Diecimo bei Lucca).



Auch die Ostseite ist nach strengen Formen gestaltet, ...



... die Apsis ist nur durch Lisenen
und Rundbogenfriese gegliedert.



Der Turm ist wohl unvollendet geblieben ...



... oder erst später verkürzt worden.

Er ist bereits stark mit orangen Flechten bewachsen. 



Jedenfalls dient er heute als Campanile.



Die beiden Seitenschiffe schließen gerade ab,
münden also nicht in Seitenapsiden
wie sonst meist bei romanischen Kirchen dieser Größe üblich.



An der Südseite befindet sich noch ein schlichtes Portal,
das aber verschlossen ist.



Santa Maria del Regno erfreut sich übrigens 
nicht nur bei den Kirchgängern und Touristen großer Beliebtheit, ...



... sondern scheint auch das Heim zahlreicher Dohlen zu sein,
die überall in der Nähe anzutreffen und v.a. zu hören sind.



Innen wirkt die Kirche optisch und geometrisch komprimiert
durch die wuchtigen gemauerten Säulen ...



... und die auffallend dicken Wände.



Einige Säulenkapitelle werden sogar
Vorbildern aus dem islamischen Spanien
wie etwa in der Moschee von Cordoba, zugeordnet. 



An den Säulen selbst ...


 
... sind interessanter Weise überall Heiligenbilder angebracht.



Das Mittelschiff hat eine Holzdecke, ...



... die Seitenschiffe sind eingewölbt und in Weiß gehalten.  



Hier das Ostende des linken Seitenschiffs,
eine kleine Apsis fehlt hier völlig,
dafür ist das Farbspiel der Steine einzigartig.


 

 Am Ende des rechten Seitenschiffes
ist wohl eine Heilige als Wachsfigur aufgebahrt.



Äußerst ansprechend ist auch das Farbenspiel
des kleinen Südportals von innen.
 


Das riesige Altarretabel von 1515
vom sardisch-katalanischen Malers Giovanni Muru, ..


 
... das lange zu Restaurierungsarbeiten ausgelagert war, 
befindet sich nun wieder in der Kirche.



Die Holzkanzel mit bemalten und vergoldeten Schnitzereien
ist eines der schönsten Werke sardischer Künstler des 16. und 17. Jhdts.,
die oft ältere Anregungen in volkstümlicher Weise interpretierten.



Von der Grünfläche südlich der Kirche,
die früher wohl einmal als Friedhof gedient hat,
hat man einer herrliche Aussicht auf die Umgebung.






Unbedingt ansehen!











Mittwoch, 22. November 2017


Italien, Ploaghe (Sardinien, Provinz Sassari):
Kirche San Michele di Salvenero, 
Ende 11. bis Anfang 13. Jhdt. erbaut

 

Diese romanische Kirche steht direkt über der Schnellstraße SS729,
die man von der Kirche Santissima Trinitá di Sacargia hinauf
in Richtung Ploaghe fährt.

Sie ist am besten über den unbefestigten Weg zu erreichen, 
der gleich davon abzweigt.



Erstmals erwähnt wurde die Kirche 1138 als ein Kloster,
das von den Benediktinermönchen von Vallombrosa abhängig war.

Sie wurde in zwei Bauphasen errichtet,
die sich an den hellen Kalk- und dunklen Vulkansteinen ablesen lassen.


 
 
Die erste Phase ist gekennzeichnet durch eine eigene Bautechnik,
die für Sardinien vom Ende des 11. bis Anfang des 12. Jhdts. typisch war
und bei der bei den Apsiden kleinere Steine verwendet wurden.



Die zweite Bauphase im 1. Viertel des 13. Jhdts. 
zeigt sich v.a. an der Sakristei,
bei der helle und dunkle Steine im Wechsel verbaut wurden.

Diese ersetzte übrigens einen Turm,
der eingestürzt war.



Über der Mittelapsis befindet sich im Kirchenschiff
eine kreuzförmige Lichtöffnung.



An der Südwestseite der Kirche waren früher
Konventgebäude angeschlossen,
das entsprechende Portal ist heute verschlossen.



Das Kirchenschiff verfügt nur über kleine Lichtschlitze.



 An der Nordwestseite schließt eine längere Mauer an, ...



... die früher zu dem noch heute erhaltenen Rest
der Konventsgebäude führte.



Diese Reste des Klosters der Vallombrosaner sind noch erhalten.

Dieser Orden war bis zur Mitte des 14. Jhdts. in Salvenero tätig,
bis Sardinien an die Herren von Aragon fiel.



Hier die Nordwestfassade,
in die nur wenige dunkle Basaltsteine vermauert wurden.




Die Ecksteine und der Giebel hingegen
sind wieder zweifärbig gearbeitet.



Heute wird die Kirche leider nicht mehr genutzt,
sie steht also leer und ist auch meist verschlossen.



Sie ist ca. 20 m lang und 6 m breit.



Das Schiff ist holzgedeckt, ...



... das Querschiff aber kreuzgewölbt ...



... und mit dem der Sakristei verbunden
(s. Anbau links hinten).



Weiter vorne befindet sich noch dieser kleine Anbau, ...



... bei dem es sich vielleicht um den Rest
eines füher angebauten Klostergebäudes 
oder eine nachträglich eingebaute Seitenkapelle handeln könnte.



Hier nochmals die Sakristei aus der Nähe, ...



... mit ihrer interessanten Steinschichtung,
die nach oben zu immer heller wird, ...



... und ihren zwei unterschiedlichen Sichtlöchern
an ihrer Nordostseite.



Der Grundriss der Kirche ist ein lateinisches Kreuz
mit drei Apsiden im Querschiff Richtung Südosten.



Leider wurde die Kirche im Zuge der Restaurierung 
Anfang des 19. Jhdts. verändert,
so wurden z.B. die Apsiden nicht mehr
originalgetreu rekonstruiert.





Sehenswert!