Samstag, 23. September 2017


Deutschland, München (Bayern):
Alte St. Georgskirche im Stadtteil Milbertshofen, 
spätestens frühes 14. Jhdt.



Bei diesem hübschen Rest einer Kirche, ...



... von der leider am 13. Juni 1944
das Langhaus vernichtet worden ist, ....


 

... kann ich es angesichts dieses Kirchturms einfach nicht glauben, ...


 

... dass dieser erst ca. 1510 entstanden sein soll.

Für das Gebäude, dessen Reste heute noch erhalten sind,
wird 1507 als Entstehungsjahr angegeben, wobei nicht bekannt ist,
ob - und wenn, welche - Teile vom Vorgängerbau übernommen wurden,
damit ist es das älteste erhaltene Bauwerk im Stadtteil.



Zumindest der Kirchturm muss älter sein, ...



... da er mit seinen Friesen, 



... die zum Teil sogar rundbogig sind (s. ganz oben), ...



... sehr an die alte St. Nikolaus-Kirche 
im benachbarten Freimann erinnert,
deren Turm aus dem frühen 14. Jhdt. ist.

Auch der Rundbogen über dem wuchtigen Biforium
ist ein Hinweis auf die Baukunst der Romanik.



Der Bestand einer St. Georgskapelle ist schon für 1360 bezeugt,
ein "Ilmelungeshofen" war hier schon im Jahr 1140
als Schwaige des Klosters Schäftlarn erwähnt.



Dank einem sehr aktiven und engagierten Förderverein
konnten Turm und ehemaliger Chor erhalten werden.



Doch das erklärte Ziel des Vereines ist es, 
das abgekommenen Langhaus wieder herstellen zu dürfen.



Bis dato ist es dem Verein nur erlaubt gewesen,
die Fundamente des ehemaligen Langhauses anzudeuten, ...



... wie dies hier vor dem Restkirchlein gut zu sehen ist.



Dann würde St. Georg wieder so aussehen
wie hier auf einem Foto von 1930.


 

In den 1970er Jahren entstanden Pläne für einen Wiederaufbau, 
bislang wurde aber nur der Turm 
1997 in den ursprünglichen Zustand gesetzt.
 


Statt wie früher durch das Langhaus ...



... betritt man die Kirche heute 
durch das schlichte Portal am Chor.



Innen treten noch einige Kunstschätze zu Tage,
die wieder restauriert werden konnten.



Dazu zählen diese Grabsteine ...


 

... wie auch diese gotische Sakramentsnische.



Dieser wertvolle Flügelaltar wird auf das Jahr 1510 datiert.

Sein Aufbau folgt der klassischen Gliederung in Predella,
Zentralschrein, Flügel und Gesprenge.



Geschlossen zeigt der Altar seine Werktagsseite:
Auf dem linken Flügel ist der Kampf des Hl. Georg mit dem Drachen dargestellt,
auf dem rechten die Räderung als Teil seines Martyriums.

Sind die Flügel geöffnet, wie für Sonn- und Festtage vorgesehen,
sieht man im Schrein die nochmalige 
- diesmal plastische - Darstellung des Drachenkampfes,
auf de Innenseiten der Flügel 
die beiden weiteren Teile des Martyriums St. Georgs,
links die Vierteilung und rechts die Enthauptung.



Die Kirchturmbasis wurde früher als Sakristei genutzt,
heute ist sie eine Art "Abstellkammer".



Hier ein Überblick über die Gebäudereste,
die noch stehen (rechts in dunkelgrau),
sowie das Langhaus, das abgekommen ist.



Der heutige Kirchenrest ist eine wieder geweihte Kapelle.



Dieser wunderschöne Kirchturm muss einfach älter als aus 1510 sein
und vom Vorgängerbau stammen.

Anfang des 16. Jhdts. hat man bereits
viel filigranere gotische Kirchtürme gebaut.




Immerhin ist St. Georg auch heute noch
im Stadtwappen von Milbertshofen zu finden.




Sehenswert!

Und derzeit nur am Sonntag 

von 10.30 -12 h geöffnet.




Ich habe also unwahrscheinliches Glück gehabt!

Wie so oft mit "meinen" romanischen Kircherln ...








Donnerstag, 21. September 2017


Deutschland, München (Bayern):
Filialkirche St. Johann Baptist im Stadtteil Johanneskirchen,
13. Jhdt.



In Johanneskirchen im Stadtbezirk Bogenhausen ...



... ist diese ehemalige Wehrkirche zu finden.



Sie wurde 815 zum ersten Mal 
in einer Urkunde des Hochstifts Freising erwähnt.



Die heutige Kirche im romanischen Stil stammt aus dem 13. Jhdt.
und wurde als von einer Ringmauer umgebene Kirchenburg erbaut.



Der Turm diente in Notzeiten als Zufluchtsort,
die Schalllöcher als Ausguck und Schießscharten.



Über die Empore gelangte man in den Dachstuhl,
von dort durch ein Schlupfloch in den Turm
und Leiter führte in den unteren Teil des Turmes hinab.



1688 wurde die Kirche umgebaut und die Ringmauer
um die Hälfte auf die heutige Höhe abgetragen.



Nur das Zugangstor ist noch in Originalhöhe erhalten.



Die Kirche besteht aus einem Langhaus,
 das nach Westen ausgerichtet ist ...



... und dem an der Ostseite ...


 
... ein wuchtiger quadratischer Turm
mit Satteldach vorgesetzt ist.



Bis auf ein kleines rundes Fenster an der Südseite des Langhauses ...

 

... sind alle Fenster während des Barock vergrößert worden.



An der Außenseite findet sich dieser eingelassene Gedenkstein.



Der Zutritt zur Kirche erfolgt heute 
über diese während des Barock angefügte Vorhalle.



Der Chorraum erhielt seine Stuckierung
in frühbarocken Formen.



Ein Durchbruch ermöglichte den Einbau des Hochaltars,
der sich ursprünglich vor der Wand befand, in den Turm.



Bei einer Renovierung der Kirche im Jahre 1939 
wurden Reste von Fresken aus dem 14. Jhdt. 
mit Aposteldarstellungen entdeckt.




Leider war es nur möglich,
durch das geschlossene Eisengitter hindurch zu fotografieren,
der Zutritt ins Kircheninnere war nicht möglich.