Mittwoch, 25. Januar 2017


Deutschland, Schönebeck (Sachsen-Anhalt):
Dorfkirche St. Thomas im Ort Pretzien, 1140 errichtet



Diese Kirche ist sicherlich ein Highlight ...



... auf der Südroute der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt.



Markgraf Albrecht der Bär ließ sie 1140...



... als romanische Saalkirche aus Bruchstein errichten.



Ihr Turm ist ungewöhnlich massiv und breit.



 Sein Fachwerkaufsatz wurde erst 1796 errichtet.



Das Langhaus scheint komplett original erhalten,
ungewöhnlich ist aber, dass hier gleich vier statt wie sonst
meist drei Rundbogenfenster nebeneinander angeordnet sind.



An einen fast quadratischen Chor ...



... schließt eine romanische halbrunde Ostapsis an ...



... mit drei Rundbogenfenstern, Lisenen dazwischen 
und einem Rundbogenfries unter dem Dach.



Die ganze Kirche ist offensichtlich erst 
vor Kurzem neu eingedeckt worden.



Die Nordseite weist ebenso ein Fenster im Chor
und vier im Langhaus auf:
Oft hat die Nordseite witterungsbedingt weniger Fenster.



So "aufgeräumt" und kahl St. Thomas auf den ersten Blick wirkt ...



... so sehr beinhaltet es doch unglaubliche Kunstschätze.



Diese zarten Fresken stammen nämlich aus dem 13. Jhdt.
und stehen damit in Sachsen-Anhalt ziemlich einzigartig da, ...



... da in den meisten romanischen Dorfkirchen 
die Fresken aus dieser Zeit verloren gegangen sind.


 

Sie zeigen die üblichen Bilder jener Zeit ...



... wie Christus in der Gloriole ...



... und Maria neben Johannes dem Täufer in der Apsis,
von Heiligen, Propheten und Engeln umgeben.



Besonders das Gesicht Marias hat Berühmtheit erlangt.



Äußerst reichhaltig ist auch der Figurenschmuck ...



... im Triumphbogen, der die Apsis vom Chor trennt.



Diese um 1300 übermalten Fresco-Secco-Malereien ...



... entdeckte in den 1970er Jahren
 die Restauratorin Anna-Maria Meussling,
die Gattin des damals nach Pretzien versetzten Pfarrers,
und legte sie auf einer Fläche von 92 m² frei.



Der Chorraum ist mit Darstellungen ...



... der klugen und törichten Jungfrauen, ...



... sowie von Isaak mit seinen Söhnen und von Lazarus geschmückt.



Gleich gegenüber der Eingangstüre ...



... befindet sich ein überlebensgroßer Christophorus,
der ja, wenn man ihn sah, verhieß,
dass man diesen Tag auf jeden Fall überleben würde
- eine im Mittelalter gar nicht so unwesentliche "Sicherheit".



Beide, der Hl. Christophorus und diese "Seelenwaage",
entstanden aber später als die Fresken im östlichen Teil der Kirche.



Hier noch einmal der wohltuend einfache Innenraum ...



... sowie noch ein letzter Blick auf diese schöne Kirche,
die man wegen ihres bedeutenden Kunstschatzes
nur unter Aufsicht besichtigen darf.





Absolut sehenswert!









Montag, 23. Januar 2017


Deutschland, Plötzky (Sachsen-Anhalt):
Evangelische Kirche St. Maria Magdalena, um 1170 erbaut




Diese Dorfkirche ist eine romanische Bruchsteinkirche,
die in drei Teilen erbaut wurde:



... dem hohen Querwestturm mit Pultdach, ...




... dem Langschiff ...



... und dem daran anschließenden Hohen Chor (Anbau links).
 


Der breite Westturm hat eine Basis aus Steinquadern
mit einem runden Sichtfenster darin
und im Obergeschoss er vier Fenster nebeneinander.



Die Rundbogenfenster im Langhaus stammen 
sicher noch aus der Erbauungszeit.

Darunter wurde an der Nordseite 
ein Rundbogenportal vermauert.



Auch das Langhaus wurde später aufgestockt
oder nachträglich fachgerecht ausgebessert,
wie man an den diversen Steinschichten sehen kann.



Da die Kirche 1629 stark beschädigt wurde, 
wurde 1690 die halbrunde romanische Apsis abgebrochen ...



... und der bestehende Chor einfach rechteckig verlängert.



Der neu angefügte Kapellanbau passt zwar nicht ganz dazu,
ist aber relativ gut an die alte Kirchensubstanz angepasst.



1984 - 1987 erfolgte unter starker Anteilnahme und Mithilfe der Gemeinde
 eine große Renovierung der Kirche, wobei anscheinend.
 die Südseite wesentlich verändert wurde.



Vor dem Turm befindet sich der Rest eines Feldkreuzes,
das wieder zu einem Ganzen ergänzt wurde.



Der runde Triumphbogen ist noch romanisch,
ebenso dürfte die Holzdecke dem ursprünglichen Original entsprechen.



1774 beauftragte die Kirchengemeinde einen Tischler
und einen Bildhauer mit dem Bau des barocken Kanzelaltars.



Davor befindet sich der Taufstein, der wohl jüngeren Datums ist.



Die umlaufenden Emporen wurden 1663 
nach dem Dreißigjährigen Krieg eingebaut.



2006 erhielten sie 16 Engelgemälde
 der Schönebecker Malerin Eva-Maria Heseler.



Hier konnte ich natürlich nicht einfach nur vorbeigehen ...